Mit dem Rad auf der Schiene

Per Pedalkraft durch den Fläming? Kein Problem, Radwege gibt’s in der Region südlich von Berlin reichlich. Aber auf Schienen in die Pedale treten? Auch das ist möglich – auf der Bahntrasse zwischen Zossen und Jänickendorf.

Züge verkehren hier seit Jahren nicht mehr. Aber Draisinen. Ob sich das »Radeln« auf so einem Gefährt wie Radfahren anfühlt? KATRIN STARKE und CLAUDIA LIPPERT wollten es wissen.

Kurz nach 9 Uhr am Bahnhof Zossen. Blau lackierte Fahrrad-Draisinen stehen abfahrbereit auf dem Gleis. Sie sehen aus wie zwei Klappfahrräder, zwischen die man eine Gartenbank montiert hat. Dass jeder Fahrer seine eigene Sieben-Gang-Drehschaltung hat, erklärt uns ein Mitarbeiter der »Erlebnisbahn«, die seit April 2003 die Strecke betreibt. Und dass möglichst beide »Radler« im gleichen Gang fahren sollen. Die Schaltung ist allerdings nicht vergleichbar mit der eines »normalen« Sieben-Gang-Rades. Deutlich langsamer kommt man voran. Eine halbe Stunde brauchen wir bis zum Bahnhof Mellensee, obwohl der gerade mal fünf Kilometer entfernt ist. Wir heben unser 80 Kilogramm schweres Gefährt aus den Schienen, »parken ein« auf den Holzbohlen neben der Strecke, um andere Draisinenradler auf der eingleisigen Trasse nicht zu behindern. »Dieser Streckenabschnitt steht in den Rekordlisten der Eisenbahnen«, erzählt uns Yvonne Krüger, Mitarbeiterin der Erlebnisbahn. »Aber seit hier ein Schienenfahrzeug mit 210 Sachen über die Gleise schoss, das ist schon mehr als 100 Jahre her.« Das war am 28. Oktober 1903. Ein Versuchswagen der AEG war damals in dem Wahnsinnstempo zwischen Berlin, Zossen und Kummersdorf unterwegs. Weltrekord. Die 1875 von der Königlichen Militäreisenbahn in Betrieb genommene Trasse – vom damals noch eigenständigen Schöneberg zum Schießplatz in Kummersdorf – diente militärischen Übungen. Deswegen seien die Gleisanlagen so aufwändig gestaltet worden. Ebenso wie die Bahnhofsbauten.

Über dem Bahnhof Rehagen weht die Trikolore
Der nächste dieser backsteinernen Zeitzeugen ist nur gute zwei Kilometer entfernt: der einstige Bahnhof Rehagen. Geologe Christophe Boyer (39), gebürtig aus der Nähe von Lyon, und seine aus Berlin stammende Ehefrau Manja (42) servieren hier französische Gourmet-Küche. Vor fünf Jahren haben die Boyers den denkmalgeschützten Bahnhof von der Erlebnisbahn-Gesellschaft gekauft, die seinerzeit mit der Strecke auch alle acht Bahnhöfe an der Trasse von der Deutschen Bahn übernehmen musste. Für Draisinenradler will Christophe Boyer in der nächsten Saison Picknickkörbe packen, gefüllt mit französischen Spezialitäten für die Pausen unterwegs. »Le Bourget« steht auf dem Stahlgeländer einer Brücke. Nicht die Boyers haben den Namen des Flughafens in der Nähe von Paris in weißen Lettern darauf gepinselt: Hier wurden 2013 Szenen für »Monuments Men« gedreht, von und mit George Clooney. Nur dass im Film keine Draisine, sondern eine Dampflok übers Gleis in Richtung Sperenberg rollt. Den dortigen Bahnhof erreichen wir 20 Minuten später.

Kunst und holländischer Kuchen im Bahnhof Sperenberg
Hier hat sich das aus Holland stammende Ehepaar Spruit eine Bildhauerwerkstatt eingerichtet. Als sie im Sommer 2011 ins Brandenburgische übersiedelten, konnten sie fast sofort in den 1892 erbauten und 1907 erweiterten Bahnhof einziehen – in die Räume, in denen einst der Bahnhofsvorsteher lebte. »Die waren perfekt erhalten«, erzählt Ine Spruit. Doch bis Sommer- und Winteratelier sowie Gästezimmer hergerichtet waren, dauerte es fast drei Jahre. Die Baugenehmigung habe auf sich warten lassen, sagt Wouter Spruit. Dafür sei es mit den Fördermitteln dann umso schneller gegangen. Draisinenfahrer können sich bei einem zweistündigen Schnupperkurs selbst als Bildhauer versuchen und sich dazu landestypischen Kuchen servieren lassen. Nach einem Workshop würde sogar noch Zeit bleiben für einen Abstecher in die Sperenberger Gipsbrüche. »Bauten wie das Schloss Sanssouci oder das Kloster Zinna wurden einst aus Sperenberger Gips gebaut«, hat uns Yvonne Krüger erzählt. Seit der Stilllegung der Brüche 1954 hat sich hier eine reizvolle Landschaft mit kleinen Seen gebildet. »Wenn Ihr die sehen wollt, müsst Ihr am Abzweig Strandbad die Draisine aufs abzweigende Gleis umheben.«

Bei Gegenverkehr die Draisine aus den Gleisen heben
Wir verzichten auf künstlerische Betätigung und Abstecher, schließlich wollen wir noch die 15 Kilometer bis nach Jänickendorf radeln – die Wendestation müssen wir erreichen, bevor ab 15 Uhr die eingleisige Strecke nur noch in der anderen Richtung befahren werden darf. Nicht jeder hält sich dran. Einige kehren früher um und stehen dann plötzlich vor uns auf dem Gleis. Da hilft nichts: Die Frührückkehrer – eine Mutter mit zwei Knirpsen – müssen ihre Draisine aus den Gleisen heben und an unserem Gefährt vorbeitragen. Für Männer nicht schwer, wir Frauen quälen uns ganz schön ab. Dass wir für die Rücktour deutlich weniger Zeit brauchen als für die Hintour, verdanken wir einer Gruppe durchtrainierter Sachsen. Die schiebt uns mit ihrer Draisine ein ganzes Stück einfach vor sich her. Und dazu springt einer der drahtigen Kerle auch noch jedesmal vom Sattel, wenn wir Straßen passieren. Straßenverkehr hat Vorrang. Damit die Draisinenradler das beachten, sind vor und hinter jeder Straßenpassage Schrankenanlangen. Also anhalten, Schranke öffnen und festhalten, bis die Draisine sicher die andere Straßenseite erreicht hat. Am Ende der Tour sind wir ganz schön geschafft, haben allerdings das Bild der Landschaft rechts und links des Gleises – Wiesen mit grasenden Kühen, Wälder mit kleinen Tümpeln – intensiv aufnehmen können. Denn Lenken war ja nicht nötig, wir konnten den Blick schweifen lassen.


Wie die Erlebnisbahn ereichbar ist:
Es stehen 45 Fahrraddraisinen für bis zu vier Fahrgäste zur Verfügung (jeweils zwei Fahrgäste radeln und zwei nehmen als Passagiere auf der Holzbank Platz). Die Entdeckertour von Zossen bis Jänickendorf und retour ist ein Tagesprogramm und kostet 17,90 Euro pro Person, am Wochenende zwei Euro mehr. Die Draisinentour beginnt am Bahnhof Zossen. Der Regionalexpress aus Berlin fährt mehrmals täglich vom Hauptbahnhof aus nach Zossen. Mit dem Auto gelangt man über die Ausfahrt Rangsdorf des südlichen Berliner Autobahnrings und die B 96 nach Zossen.

Nähere Infos zur Erlebnisbahn Zossen unter www.erlebnisbahn.de oder per Telefon: 03377/3300850.

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https://berlin.adfc.de/artikel/mit-dem-rad-auf-der-schiene

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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