Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Berlin e. V.

Schild: Wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg

Wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg – leider nicht in Berlin, zeigt der ADFC-Fahrradklima-Test 2024 © ADFC Berlin / Marlene Alber

Das Miteinander fehlt – Ergebnisse des ADFC- Fahrradklima-Test 2024

„Berlin fällt durch“ – so lautet das Ergebnis des jüngsten ADFC-Fahrradklima-Test. Die ADFC-Umfrage bescheinigt Berlins

Verkehrspolitik schlechte Noten. Ein Stimmungsbild vor dem Wahljahr. Von Lisa Feitsch.

Ein Nachmieag im Juni. Die Kameras laufen, der Bundesverkehrsminister tritt auf die Bühne, der ADFC veröffentlicht die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Test 2024 – und: Berlin hat wenig zu lachen. Denn die Hauptstadt hat sich deutlich verschlechtert, das zeigen die Ergebnisse der ADFC-Umfrage am 17. Juni 2025 im Bundesverkehrsministerium. Ganze drei Plätze ist Berlin abgerutscht – auf Platz 12 von 15 deutschen Großstädten. Die Gesamtbewertung für die Hauptstadt: Schulnote 4,3 – durchgefallen. Das haben Berlins Radfahrende im ADFC-Fahrradklima-Test 2024 bewertet. Rund 7.500 Menschen in der Hauptstadt haben zwischen 1. September und 30. November 2024 an der ADFC-Umfrage teilgenommen. Diese Noten sind eine eindeutige Botschaft an die Verkehrssenatorin: Berlins Radfahrende sind unzufrieden. Ganze 88 Prozent der Befragten fühlen sich als Radfahrende auf Berliner Straßen nicht sicher (2022: 83 Prozent).

Für 69 Prozent bedeutet Radfahren in Berlin Stress (2022: 65 Prozent). 71 Prozent der Menschen beschreiben eine negative Entwicklung bei der Fahrradförderung. Die Bewertung in diesem Bereich ist um eine ganze Notenstufe auf 4,5 abgesackt. So schlecht stand Berlin in diesem Bereich zuletzt 2016, seitdem haee sich die Bewertung der Fahrradförderung deutlich verbessert bis auf 3,5 in 2022. „Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Test sind ein Armutszeugnis für Berlins Verkehrspolitik“, sagt Eberhard Brodhage, Landesvorsitzender des ADFC Berlin. „Mit seinem fortschrittlichen Mobilitätsgesetz galt Berlin vor einigen Jahren noch als Musterschüler. Heute steht die Hauptstadt als Klassen-Schlusslicht da – ohne Willen, ohne Plan.“ 

 

Die Unzufriedenheit ist hoch

„Die Menschen in der Hauptstadt sind mit der Verkehrspolitik unzufrieden wie nie“, erklärt Marlene Alber, Politische Referentin des ADFC Berlin, die Ergebnisse. Von einem „Miteinander“ im Straßenverkehr, wie es 2023 politisch angekündigt wurde, ist nichts zu sehen: 72 Prozent der Berliner Radfahrenden fühlen sich nicht als Verkehrsteilnehmende akzeptiert (2022: 66 Prozent). Die Gesamtbewertung ist von 4,1 in 2022 auf 4,3 in 2024 abgerutscht. Ganze 92 Prozent der Befragten beklagen häubge Koncikte mit dem Kfz-Verkehr (2022: 89 Prozent). 90 Prozent wünschen sich, dass Falschparker auf Radwegen stärker kontrolliert werden (2022: 87 Prozent).

 

Zusatzbefragung “Miteinander im Verkehr”

Auch die aktuelle Zusatzbefragung zum Thema „Miteinander im Verkehr“ zeigt die Unzufriedenheit der Berliner:innen mit der Verkehrspolitik. 92 Prozent der Menschen erleben ein aggressives Verkehrsklima. 90 Prozent erleben zu enges Überholt-Werden. Nur 11 Prozent erleben, dass sich die Politik genug für Verkehrssicherheit, insbesondere von Radfahrenden und Zu-Fuß-Gehenden, einsetzt. Lediglich 17 Prozent finden, dass ausreichend für ein rücksichtsvolles Miteinander im Verkehr geworben wird. Die ADFC-Umfrage zeigt: Einschnitte bei der Radverkehrsförderung wirken sich sofort negativ auf die Zufriedenheit der Bevölkerung beim Radfahren aus. Das vielbeschworene Miteinander im Verkehr ist ausgeblieben. „Kommt es zu keinem Kurswechsel, wird der Negativ-Trend weiter anhalten“, sagt Brodhage voraus. „Die Verkehrssenatorin baut Radwege zurück, kürzt Fahrrad-Budgets, nimmt Tempo 30 zurück. Das führt zu Unzufriedenheit bei den Berliner:innen und nimmt der Stadt ihre Lebensqualität.“

 

Einziger positiver Leuchtturm - ebenfalls eingespart

Einzig positiver Leucheurm im Berliner Fahrradklima war die Bewertung des Leihrad-Angebots, dieses wurde gut angenommen, - erfasst im Herbst 2024, kurz bevor das Förderende durch den aktuellen Senat bekannt wurde. „Das geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei“, erklärt Alber. „Vom Radwegestopp von Manja Schreiner bis zu den Kürzungen von Ute Bonde – diese Verkehrspolitik fällt im ADFC-Fahrradklima-Test durch“, sagt Alber. „Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch, wo Berlin besser werden kann.“ Breite, sichere Radwege, mehr Kontrollen und weniger Raserei – so kann Berlin sicherer und lebenswerter werden. Dafür muss der Senat den Radverkehrsplan wieder aufnehmen und das Radnetz umsetzen. 

Es ist Dezember, und im kommenden Jahr wird Berlin wieder wählen. Was vom ADFC-Fahrradklima-Test 2024 bleibt, ist der klare Appell an den Senat: #MehrPlanFürsRad – mehr Plan für Menschen.

ADFC-Fahrradklima-Test bundesweit mit 213.000 Teilnahmen

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine der größten Befragungen zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2024 zum ersten Mal statt. Rund 213.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt, 21 Prozent davon ADFC-Mitglieder. 1.047 Städte kamen in die Wertung. Bei den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und wie man das Miteinander im Verkehr empfindet. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden, müssen pro Kommune mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 beziehungsweise 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern.

fahrradklima-test.adfc.de

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