Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Berlin e. V.

Eine Fahrradparkhaus in Holzkonstruktion vor blauem Himmel und grüner Wiese

So geht gutes Fahrradparken: Fahrradparkhaus Eberswalde © Stadt Eberswalde/Florian Heilmann

Fahrradparken in Berlin: Modellprojekte in die Fläche bringen

"Am Bahnhof lass ich mein Rad nicht stehen, wird eh nur geklaut" - so geht es vielen Berliner:innen. Wer sein Rad nirgends sicher abstellen kann, fährt nicht mit dem Rad. Moderne Städte investieren in Fahrradparken, Berlin hat große Defizite.

Ob beim Einkaufen, an der Schule oder am Bahnhof: Sicheres Fahrradparken sollte selbstverständlich sein. Ein gutes Angebot an Fahrradstellplätzen motiviert zum Radfahren, schützt vor Diebstahl und Verschleiß, gestaltet den öffentlichen Raum und fördert die nachhaltige Mobilität auch in der Kombination von Fahrrad und öffentlichem Verkehr. Angst vor Diebstahl hindert Berliner:innen am Radfahren. Nur acht Prozent der Berliner:innen sind mit den Abstellanlagen in Berlin zufrieden, zeigt der ADFC-Fahrradklima-Test 2024

Der ADFC Berlin sieht landesweit nur schleppenden Ausbau. Modellprojekte müssen mit Tempo in die Fläche ausgweitet werden.

 

Öffentliche Fahrradparkhäuser in Berlin: Erste Tropfen auf den heißen Stein

Das Land Berlin hat bisher kein öffentliches Fahrradparkhaus, obwohl es besonders an Bahnhöfen einen großen Bedarf an qualitativem Fahrradparken gibt. Pendler:innen haben dort regelmäßigen Abstellbedarf, gleichzeitig werden Bahnhöfe als Diebstahl-Hotspots erlebt. Fahrradparkhäuser sind geeignet, um den Umstieg von Fahrrad zum ÖPNV für nachhaltiges Pendeln zu erfüllen, aber keiner der Berliner Bahnhöfe hat bisher ein angemessenes Angebot an Fahrrad-Abstellplätzen. Von sechs geplanten Standorten hat der Senat aus CDU und SPD 2024 den Großteil gestoppt, obwohl die Bedarfsanalyse der InfraVelo dort hohem Bedarf und geeigneten Flächen ausgemacht hatte. 

Hoffnung macht die Planung am Bahnhof Schöneweide: Die InfraVelo baut dort aktuell das erste öffentliche Fahrradparkhaus in Berlin. Auf das gesamte Stadtgebiete bezogen ist es ein Tropfen auf den heißen Stein, aber in Schöneweide wird damit erlebbar, wie ein gutes Angebot von Fahrradparken nachhaltige Mobilität stärkt und die Qualität des öffentlichen Raum verbessert. Ein weiteres Fahrradparkhaus in Mahlsdorf wird, Stand Dezember 2025, zur Planung ausgeschrieben. Die InfraVelo wird die Parkhäuser betreiben, die Nutzung erfolgt über die ParkYourBike-App

Besonders dringender Handlungsbedarf besteht an den folgenden Bahnhöfen:

  • Hauptbahnhof: Am Hauptbahnhof gibt es ganze 24 (!) gesicherte Abstellplätze. Das deckt in keiner Weise den Bedarf: Die InfraVelo ermittelte einen Bedarf von 1.345 Stellplätzen. Der Zustand am Hauptbahnhof ist eine Zumutung für Pendler:innen und alle Nutzenden des öffentlichen Raums. Ein Konzept für gutes Fahrradparken am Hauptbahnhof ist notwendig, um der verkehrlichen Bedeutung des Hauptbahnhofs gerecht zu werden und die umgebenden Flächen übersichtlich und ordentlich zu gestalten.
  • Südkreuz: Der Bahnhof Südkreuz verfügt über ein überdimensioniertes Angebot für Kfz-Parken und fehlende Abstellanlagen für Fahrräder. Der Berliner Senat plant dennoch kein Fahrradparkhaus am Südkreuz, obwohl die InfraVelo einen Bedarf von rund 1.000 Stellplätzen am Bahnhof Südkreuz ermittelt hat. Von Seiten der Deutschen Bahn gibt es eine Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Varianten.
  • Ostkreuz: Am Bahnhof Ostkreuz gibt es einen Bedarf von 2.200 Fahrradstellplätzen. Die Planungen für ein Fahrradparkhaus hat der Senat auf Eis gelegt, anstatt eine Lösung mit der Deutschen Bahn zur Nutzung der Fläcehn zu finden. Die katastrophale Parksituation am Bahnhof Ostkreuz erfordert, dass das Land Berlin in Absprache mit der Deutschen Bahn einen Weg zum Bau des Parkhauses findet.
  • Ostbahnhof: Die Bedarfsanalyse der InfraVelo sieht einen Bedarf an gut 1.400 qualitätiven Fahrradstellplätzen.
  • Potsdamer Platz: Das private Fahrradparkhaus im Center am Potsdamer Platz bietet Stellplätze, laut InfraVelo werden am Potsdamer Platz 850 weitere Stellplätze benötigt. 

Auf der untenstehenden Karte sind in Rot notwendige Standorte für Fahrradparkhäuser dargestellt, für die keine Planungen verfolgt werden. In Gelb sind die Standorte Schöneweide und Mahlsdorf dargestellt, die in Bau bzw Planung sind. Existierende private Fahrradparkhäuser für öffentliche Nutzung sind in Violett dargestellt. Die grünen Pins markieren Fahrradboxen. 

 

Fahrradparken an Haltestellen für einen nachhaltigen Mobilitätsmix

Neben den großen Bahnhöfen haben alle Haltestellen des öffentlichen Verkehrs in besonderem Maß Bedarf an Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Das umfasst U-Bahnhöfe, S-Bahnhöfe und sowie in äußeren Stadtteilen auch Straßenbahn- und Bushaltestellen und Fähranleger. 

Eine ausführliche Bedarfsanalyse der InfraVelo zeigt den riesigen Bedarf an S- und U-Bahnhöfen im Stadtgebiet, der in der untestehenden Tabelle nach Bezirken dargestellt ist. Die InfraVelo plant in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Reinickendorf, Lichtenberg, Neukölln und Treptow-Köpenick den Ausbau an Bahnhöfen. Außerdem betreibt die InfraVelo zum Stand Januar 2026 an sieben Standorten Fahrradboxen, die gesichertes Fahrradparken auch kleinteilig ermöglichen machen. Diese Positiv-Beispiele sind als grüne Pins in der oben stehenden Karte eingezeichnet, ein weiterer Standort in Lichterfelde Süd ist im Bau. Alle geplanten und umgesetzten Projekte sind in der Projektkarte der InfraVelo einsehbar. Trotz der Maßnahmen bestehen in allen Bezirken weiterhin große Lücken beim Fahrradparken an Haltestellen und Bahnhöfen. 
 

BezirkZusätzlicher Stellplatzbedarf an Bahnhöfen (Stand 2020)
Charlottenburg-Wilmersdorf2.630
Friedrichshain-Kreuzberg5.296
Lichtenberg1.874
Marzahn-Hellersdorf917
Mitte 10.200
Neukölln1.799
Pankow4.245
Reinickendorf1.984
Spandau986
Tempelhof-Schöneberg4.690
Treptow-Köpenick8.901

 

Fahrradbügel im Straßenraum: Verkehrssicherheit, Diebstahlschutz und freie Gehwege

Fahrradstellplätze im öffentlichen Raum dienen nicht nur dem Diebstahlschutz, sondern sorgen auch für Verkehrssicherheit an Kreuzungen. Einige Bezirken sichern Stück für Stück Kreuzungen und Fußgängerquerungen mit Fahrradbügeln, das Ausbautempo variiert dabei stark. Einen Überblick der Fahrradbügel gibt die InfraVelo. 

 

Entspannt durch den Alltag: Fahrradparken im Betrieb und Zuhause

Für alltagstaugliches Pendeln mit dem Fahrrad benötigen Menschen sichere Stellplätze Zuhause, an der Schule, am Arbeitsplatz und allen Orten des alltäglichen Bedarfs. 

Die Berliner Bauordnung legt fest, dass beim Bau von Gebäuden Fahrradstellplätze eingerichtet werden müssen, wenn die Nutzung Fahrradverkehr erwarten lässt. Bei Nichteinhaltung müssen Ablösebeträge bezahlt werden. Die Höhe dieser Beträge wurde seit 2008 trotz gestiegener Bau- und Grundstückspreise nicht angepasst und bietet keinen ausreichenden Anreiz zum Bau von ausreichenden Stellplätzen. Neben den zu geringen Ablösebeiträgen wird diese Vorhabe nicht ausreichend angewendet und einheitlich überprüft. Gerade in den stark verdichteten Bezirken sind viele Wohnungen nicht mit geeigneten sicheren Fahrradabstellplätzen ausgestattet. 

Für das betriebliche Mobilitätsmanagement bietet die Auszeichnung als Fahrradfreundlicher Arbeitgeber Leitplanken, welche Beschaffenheit Fahrradstellplätze am Arbeitsplatz erfüllen sollten. Es gibt in Berlin aktuell keine politische Förderung zur Fahrradfreundlichkeit von Arbeitgeber:innen. 

 

Forderungen des ADFC Berlin: Stellplatz-Offensive für ein zukunftsfähiges Berlin

Die Voraussetzungen und Analysen für Berlin existieren. Andere Städte zeigen wie der Bedarf in die Praxis umgesetzt wird. In Brandenburg gibt es gute Beispiele: In Eberswalde, Oranienburg, Potsdam und Bernau stehen Fahrradparkhäuser am Bahnhof. Hamburg baut Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen. Als positives Beispiel zeigt auch Tübingen, wie Verkehrswende mit Rad und Bahn geht: 2023 wurde das Fahrradparkhaus mit direktem Zugang zum Bahnhof eingeweiht und wird rege genutzt. Finanziert zum überwiegenden Teil mit Bundesmitteln aus dem Förderprogramm "Nationale Klimaschutz Initiative".

Fehlende Fahrradparkplätze in Berlin bremsen den Umstieg aufs Fahrrad. Dem steigenden Bedarf an hochwertigen Alltags- und Sporträdern, E-Bikes und Lastenrädern wird das Angebot in Berlin nicht gerecht. Die Situation in Berlin ist weiterhin flächendeckend mangelhaft. Für eine nachhaltige Verkehrswende braucht ganz Berlin gutes Fahrradparken. Für die Stadt- und Verkehrsentwicklung muss die Finanzierung der Fahrradparkhäuser wieder aufgenommen werden und flächendeckende Angebote für Pendler:innen mit dem Fahrrad geschaffen werden. Die zentralen Maßnahmen stehen im Forderungskatalog #NeustartFürsRad des ADFC Berlin für die Legislatur 2026-2031.

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