Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Berlin e. V.

#NeustartFürsRad - Mehr Fahrrad für ein zukunftsfähiges Berlin

Gut für Wirtschaft, gut für alle: Kapitel 4 des Forderungskatalog 2026-2031 "#NeustartFürsRad – Das Fahrrad als Schlüssel für eine gute Stadt für alle" zeigt, wie Berlin von mehr Fahrradförderung profitieren kann.

4. Mehr Fahrrad für ein zukunftsfähiges Berlin

4.1 Wirtschaftsverkehr neu gestalten

  • Der Senat legt ein Ziel für den Radverkehrsanteil im Wirtschaftsverkehr fest und verankert diese Zielvorgabe mit Maßnah menpaketen in den relevanten verkehrs- und stadtentwicklungspolitischen Strategien.
  • Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe betreibt eine Beratungsstelle für die Umstellung betrieblicher Logistik insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese berät zum Einsatz von Lastenrädern und Velotaxis und bietet umfangreiche Testmöglichkeiten.
  • Auf Flächen des Kfz-Verkehrs werden attraktive Umschlagplätze und flächendeckend Lieferzonen für kombinierte Verkehre mit Lastenradanteil eingerichtet. Um auf der letzten Meile die Stadtverträglichkeit der Zustellung und eine Fairness im Wettbewerb sicherzustellen, wird dieser Zustellungsabschnitt konzessioniert.
  • Der Senat erarbeitet ein klimafreundliches Logistikkonzept, führt White Label-Lösungen (Logistikangebote, die offen für alle Nutzer:innen sind) ein und errichtet in den kommenden fünf Jahren in jedem Bezirk mindestens drei City-Hubs und anbieterneutrale Mikro-Depots. Dabei setzt er auf intermodale Lösungen (z. B. durch Kombination Bus/Tram), um unnötige und gefährliche Lkw-Fahrten zu vermeiden.
  • Senat, Bezirke und öffentliche Betriebe weiten den Einsatz von Fahrrädern für den eigenen Wirtschaftsverkehr aus.
  • Der Senat bevorzugt bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen geeigneter Unternehmen, die ihre Leistungen mit intermodalen, lastenradbasierten Logistikkonzepten erbringen.
  • Berliner Firmen und Ämter sorgen für ein klimafreundliches betriebliches Mobilitätsmanagement: Mitarbeitende sollen dazu motiviert werden, ihre dienstlichen Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen.
  • Der Senat setzt sich auf Bundesebene für die zügige Verabschiedung des Plattform-Ökonomie-Gesetzes. Ziel ist, Lieferdienst-Fahrer:innen einen festen Beschäftigtenstatus zu sichern und die Anbieter für die Verkehrssicherheit von Personal und Ausrüstung in die Pflicht zu nehmen.

4.2 Rad- und öffentlichen Verkehr zusammendenken

  • In Schöneweide entsteht das erste öffentliche Fahrradparkhaus Berlins. Nach diesem Beispiel nimmt der Senat die am weitesten fortgeschrittenen Planungen für Fahrradparkhäuser an den Stationen Ostkreuz, Mahlsdorf, Haselhorst, Landsberger Allee, Pankow und Südkreuz wieder auf und finanziert die weitere Planung und den Bau. Die Fahrradparkhäuser fungieren als Radstationen mit Aufsicht und Service.
  • Das Mobilitätsgesetz verpflichtet den Senat zum Bau von zusätzlichen 50.000 Stellplätzen an ÖPNV-Stationen bis 2030. Diese Stellplätze sind als sichere, überdachte und gut ausgeleuchtete Abstellmöglichkeiten auch für Lastenräder und Räder mit Anhängern umzusetzen, um intermodales Verkehrsverhalten zu fördern. Der Senat prüft den Umsetzungsstand und ergreift Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.
  • Der Senat überprüft außerdem Radwege, die zu ÖPNV-Stationen und dortigen Fahrradstellplätzen hinführen. An Zuwegen ohne befahrbare Radverkehrsführung bessert der Senat nach, um intermodale Wegeketten tatsächlich nutzbar zu machen.
  • Der Senat nimmt die Förderung eines öffentlichen Leihradsystems wieder auf, um ein attraktives Angebot multimodaler Wegeketten auch in den Außenbezirken sicherzustellen. Dabei werden familienfreundliche Räder mit Kindersitz in den Bestand aufgenommen.
  • Die BVG ermöglicht die Fahrradmitnahme im Schienenersatzverkehr und erprobt diese auch in Linienbussen anhand von Erfahrungen anderer Städte. Der Schwerpunkt liegt dabei zunächst auf Buslinien am Stadtrand und/oder zu Tagesrandzeiten.
  • Der VBB und die DB Regio trennen Fahrradstellbereiche und Sitzbereiche in S- Bahnen und Regionalzügen besser voneinander ab.
  • Der VBB sorgt für eine bedarfsgerechte Angebotsverdichtung für Reisende mit und ohne Fahrrad im Ausflugsverkehr, etwa in Richtung Ostsee, Seenplatte, Spreewald oder Fläming.
  • Der VBB nimmt das Programm „Rad im Regio“ wieder auf und erweitert das Angebot auf weitere Linien.

4.3 Flächendeckendes Fahrradparken ermöglichen

  • Senat und Bezirke evaluieren mindestens alle fünf Jahre die Zahl und den Bedarf an Fahrradparkplätzen und leiten daraus einen Maßnahmenplan ab. Sie ermöglichen sicheres und komfortables Fahrradparken auch für die zunehmende Zahl an Spezialrädern, Lastenfahrrädern oder Fahrrädern mit Anhänger. Dafür nutzen sie Beteiligungsmöglichkeiten, bspw. orientiert am Projekt "Fahrradbügel für Treptow-Köpenick".
  • Jeder Alltagsweg beginnt zuhause: Der Senat setzt die Ausführungsvorschrift (AV) Stellplätze um, die das Einrichten von qualitativen Fahrradstellplätzen bei Neubauten und größeren Umbauten vorschreibt. Der Senat überprüft den vorgegeben Stellplatzschlüssel, verdoppelt die festgelegten Ablösebeträge für nicht hergestellte Fahrradstellplätze und legt eine kontinuierliche Steigerung orientiert am Baupreisindex fest. Im Bestand fördert der Senat die Errichtung von Fahrradstellplätzen analog zu den Vorgaben der AV Stellplätze.
  • Die Bezirke machen in Abstimmung mit dem Senat Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zur Auflage an Schulen und schaffen damit Anreize, den Weg zu Schule und Kita mit dem Fahrrad zurückzulegen.
  • Senat und Bezirke errichten Fahrradstellplätze vorrangig am Fahrbahnrand. Nur wenn es auf der Fahrbahn nicht möglich ist und eine nutzbare Gehwegbreite von mindestens 3,5 Metern erhalten bleibt, kann für den Bau von Fahrradabstellmöglichkeiten auf den Unterstreifen von Gehwegen ausgewichen werden. Dies gilt für alle Ausprägungen von Sharing-Stationen (Jelbi, Mobilitäts-Hubs etc.).
  • Die Bezirke errichten in allen Gebieten mit starkem Einkaufsverkehr (Supermärkte, Einkaufszentren, Einkaufsstraßen) eingangsnah und ausreichend Fahrradbügel und Stellplätze für Lastenräder.
  • Die Bezirke setzen in Wohngebieten - insbesondere im verdichteten Altbaubestand ohne sichere Abstellmöglichkeiten auf den Grundstücken – Fahrradbügel systematisch zur Prävention gegen Falschparken ein, z. B. im Kreuzungsbereich, um die Sichtbeziehungen zu verbessern.
  • Die Senatsverwaltung für Verkehr koordiniert das Aufräumen von Schrotträdern im gesamten Stadtgebiet mit den Akteuren InfraVelo, BVG, DB und Bezirken, um Transparenz und Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen und den öffentlichen Raum frei und nutzbar zu erhalten.

4.4 Funktionierenden Winter- und Reinigungsdienst fürs Rad einrichten

  • Fahrradinfrastruktur muss von Schnee, Eis, Schmutz und Laub gereinigt werden, um sicher und gut befahrbar zu sein. Im Vorrangnetz ist laut Radverkehrsplan eine sichere Nutzbarkeit ab 7:00 Uhr zu gewährleisten, analog zu sonstigen vorrangig im Winterdienst zu behandelnden Hauptstraßen sowie Straßen, auf denen der ÖPNV fährt.
  • Der Senat setzt dafür mit höchster Dringlichkeit noch vor dem Winter 2026/27 das Konzept für Winterdienst im Radverkehr ins Straßenreinigungsgesetz und den Räumplan um. Während der nächsten Schneeperiode findet ein Monitoring des Konzepts mit Fokus auf durchgängig sicher befahrbare Fahrradrouten statt. Bei weiteren Mängeln setzen Senat und Bezirke weitere Maßnahmen zur Verlässlichkeit des Winterdienstes auf Radwegen um.
  • Bei der Berliner Stadtreinigung und in den Bezirksämtern werden ausreichend Fahrzeuge, Personal und Material für den Winterdienst aufgebaut.
  • Radverkehrsanlagen werden bevorzugt so ausgebaut, dass eine automatische Räumung durch die BSR im Rahmen der der normalen Räumung erfolgen kann.

4.5 Überregional und touristisch vernetzen

  • Den Großraum Berlin erlebbar machen: Der Senat stimmt sich regelmäßig mit der Brandenburger Verwaltung zum Bau von übergreifenden Fahrradverbindungen ab und treibt diese voran. Für das zunehmende Pendeln zwischen Brandenburg und Berlin werden landesübergreifende Radschnellverbindungen gebaut, beispielsweise zwischen dem Flughafen BER und dem Berliner Stadtgebiet.
  • Das Fahrrad ist beliebt bei Tourist:innen, um Berlin zu erkunden. Gut ausgebaute Radrouten im Zentrum und in äußeren Bezirken bieten enormes Potenzial für attraktiven und nachhaltigen Tourismus. Der Senat treibt den Ausbau touristischer Routen nach den ERA-Standards voran, pflegt und beschildert bestehende Routen, schafft ein Angebot zur digitalen Wegführung und verzahnt Alltagsrouten mit touristischen Angeboten.

4.6 Verkehrssicherheit und Verkehrswende bundesweit stärken

  • Der Senat engagiert sich auf Bundesebene im Bundesrat sowie im Städte- und Gemeindebund für die Verkehrssicherheit.
  • Der Senat setzt sich dafür ein, dass Schulstraßen und die Möglichkeit für flächendeckendes Tempo 30 innerorts in die StVO aufgenommen werden.
  • Für die Sicherheit an Kreuzungen setzt sich der Senat außerdem für verpflichtenden Abbiegeassistenten mit Notstopp für Lkw innerorts und für die Fortführung des 2025 beendeten Bundesförderprogramms für Abbiegeassistenten ein.

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