
Die regelmäßigen Fahrraddemos auf der Marienfelder Allee fordern Tempo 30, sichere Radwege und sichere Schulwege. © Claudia Thiele
Schulwegsicherheit beginnt mit Tempo 30 - auch auf der Marienfelder Allee!
Zum Schulbeginn: Kinder sollen sicher unterwegs sein, doch verunglücken immer noch viel zu viele Kinder auf ihrem Schulweg. Schulwegsicherheit beginnt mit Tempo 30. ADFC Schöneberg und ADFC Tempelhof setzen sich für eine konsequente Umsetzung ein!
Laut Statistischem Bundesamt sind im Jahr 2025 29.270 Kinder im Straßenverkehr verunglückt, das sind 7% mehr als im Vorjahr. Deutschlandweit starben 74 Kinder. Alle 18 Minuten wird ein Kind im Straßenverkehr verletzt oder getötet.
Der Schulweg ist ein Unfall-Schwerpunkt
Montags bis freitags zwischen 7 Uhr und 8 Uhr häufen sich die Unfälle mit Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren, und 34 % der Unfälle geschehen auf dem Fahrrad. Diese Zahlen sind mehr als Statistik. Sie fordern zum Handeln auf, zum Einsatz für mehr Schulwegsicherheit. Das gilt natürlich auch für Berlin und die sogenannten “Außenbezirke”.
Marienfelder Allee: Ein Beispiel für vernachlässigte Infrastruktur und Mängel bei der Verkehrssicherheit in den Außenbezirken
Im Berliner Süden, in Tempelhof, ist die Marienfelder Allee (Bundesstraße B101) beispielhaft für das, was in zahlreichen Außenbezirken Berlins passiert:
- 20.000 Fahrzeuge pro Tag, davon 2.000 Lastkraftwagen
- Kein einziger geschützter Radweg, stellenweise marode, viel zu schmale Hochbordradwege
- Schmale Gehwege, zu wenige sichere Querungsmöglichkeiten
- Zahlreiche Kitas, Schulen, Senioren- und Freizeiteinrichtungen entlang der Straßen oder nahgelegen in Nebenstraßen
- Tempo 30 wurde 2023 angeordnet und 2026 vom Berliner Senat wieder zurückgenommen

Auf der Marienfelder Allee in Berlin-Tempelhof fahren pro Tag bis zu 2000 Lastkraftwagen und 20.000 Autos. Es gibt dabei weder sichere Radwege noch sichere Querungen für zu Fußgehende und Schulkinder. Erst kürzlich hat die Berliner Senatsverwaltung Tempo 30 hier wieder abgeordnet (außer nachts) und damit die Wege zur Schule und zur Kita am frühen Morgen und am Nachmittag wieder gefährlicher und unsicherer gemacht. Zudem hat sich eine Mehrheit aus CDU und SPD im Verkehrsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg im Frühjahr 2026 gemeinsam gegen die Unterstützung bezirklicher Stellen für einen sicheren und geschützten Radweg an der Marienfelder Allee ausgesprochen. Der entsprechende Antrag der Grüne Fraktion beinhaltete auch Tempo 30 und sichere Querungen.
Die Senatsverwaltung für Verkehr, unter Senatorin Ute Bonde, CDU, begründete die Aufhebung von Tempo 30 mit verbesserter Luftqualität. Doch was bedeutet das für die Menschen vor Ort?
“Seit 30 Jahren wohne ich nahe der Marienfelder Allee. In dieser Zeit sind die Fahrzeuge größer, breiter und schneller geworden. Gleichzeitig hat der Autoverkehr auf der B101 enorm zugenommen und nichts wurde getan zum Schutz von Radfahrenden." (Margret Wegner, Marienfelde)
“Ich wünsche mir für die Marienfelder Allee einen Gehweg, der den Namen verdient und der nicht als Ausweichfläche für Radfahrer und E-Scooter genutzt wird." (Monika Sommer, Marienfelde)
“Habe mit dem Fahrrad auf der Marienfelder Allee Todesangst.” (Andreas Schwiede, Marienfelde)
Warum Tempo 30 lebensrettend ist
Die Wissenschaft ist sich einig: Tempo 30 rettet Leben.
| Bei Tempo | Anhalteweg | Aufprallwirkung |
|---|---|---|
| 30 km/h | ca. 27 Meter | überlebbar |
| 50 km/h | ca. 53 Meter | oftmals tödlich |
Der Anhalteweg halbiert sich. Seitenräume werden besser wahrgenommen. Das Risiko, dass ein Aufprall tödlich verläuft, sinkt mit Tempo 30 im Unterschied zu Tempo 50 deutlich.
“Die wissenschaftlichen Fachgemeinschaften sind sich schon seit Jahrzehnten einig: Mit Tempolimits hätten wir weniger Stau, weniger Unfälle und sogar noch eine Absenkung der Schadstoffemissionen.” (Mobilitätsforscher Andreas Knie)
Reform der Straßenverkehrsordnung StVO: Mehr Möglichkeiten für Tempo 30
Im Herbst 2024 wurde die Straßenverkehrsordnung novelliert. Seitdem ist Tempo 30 leichter anzuordnen an
- Schulen und Kitas
- Spielplätzen
- Einrichtungen für Senior:innen und Menschen mit Behinderungen, Pflegeeinrichtungen
- Hochfrequentierten Schulwegen
- Fußgängerüberwegen
Zudem wurde der Lückenschluss zwischen zwei Tempo 30 Abschnitten von 300 auf 500 Meter erweitert.
Trotz dieser Rechtslage entscheidet der Berliner Senat gegen Tempo 30 auf zahlreichen Hauptverkehrsstraßen Berlins und ordnet wieder Tempo 50 an, so auch auf der Marienfelder Allee. Zudem erwirkte die Große Regierungskoalition aus CDU und SPD eine Änderung des Berliner Mobilitätsgesetztes: Radwege an Hauptverkehrsstraßen sollen nun nicht mehr verpflichtend vorgesehen sein (§43 MobG). Das Berliner Mobilitätsgesetz wurde damit entkernt.
Solidarität zwischen den Bezirken: ADFC Schöneberg steht an der Seite von ADFC Tempelhof
Seit fast zwei Jahren demonstriert das Bündnis Marienfelder Allee monatlich für sicheren Straßenverkehr. Das Bündnis sind
- Stadtteilgruppe ADFC Tempelhof
- Berliner Stadtteilzentrum Marie-Li
- Nachbarschaftszentrum Ufa Fabrik
- Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg von Changing Cities
- FUSS e.V.
- Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade
Unterstützt wird das Bündnis von ADFC Schöneberg, ADFC Landesverband Berlin, BUND Berlin, Respect Cyclists, VCD Nordost und Aktiven aus allen Himmelsrichtungen.

Der ADFC Tempelhof organisiert zusammen mit dem Bündnis Marienfelder Allee regelmäßig Fahrraddemos für Tempo 30 und sichere Radwege an der Marienfelder Allee in Berlin-Tempelhof Marienfelde. Hier bei einer Kundgebung an der Bibliothek Marienfelde, mehr Infos unter berlin.adfc.de/artikel/demo-fuer-sicheren-verkehr-auf-der-marienfelder-allee
Warum fährt der ADFC Schöneberg nach Marienfelde?
Weil wir wissen: Was in Marienfelde passiert, betrifft uns alle. Die Aufhebung von Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen, das Streichen von Radwegen an Hauptverkehrsstraßen, das Sparen auf Kosten von Sicherheit, das sind Muster, die sich in ganz Berlin wiederholen:
- Torstraße (Mitte): Alte Linden sollen für den Autoverkehr weichen
- Ollenhauerstraße (Reinickendorf): 116 Bäume sollen für einen Hochbordradweg von vorgestern gefällt werden
- Unter den Eichen (Steglitz-Zehlendorf): Rad-Busspur soll abgeordnet werden
- Kantstraße (Charlottenburg): Radweg soll dem “Brandschutz” weichen
- Marienfelder Allee: Tempo 30 zurückgenommen, kein Radweg
Währenddessen sollen für eine 664 Millionen teure Tangentialverbindung Ost (TVO) in Marzahn-Hellersdorf 3000 Bäume für eine mehrspurige Autopiste gefällt werden.
So werden Verkehrswende ebenso wie der Klima- und Hitzeschutz systematisch zurückgefahren, zugunsten einer autozentrierten Verkehrspolitik aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Es gibt auch gute Nachrichten: Erfolgreich Tempo 30 durchsetzen, das geht!
Zwei Straßen in Friedenau und Steglitz zeigen: Tempo 30 lässt sich rechtlich durchsetzen, sogar gegen den Willen des Senats.
Albrechtstraße (Steglitz): Wie an der Marienfelder Allee wollte die CDU-geführte Verkehrsverwaltung auch an der Albrechtstraße Tempo 30 wieder abschaffen, trotz Schulen und Kitas im Straßen- und Wohnumfeld. Eine engagierte Steglitzer Elterninitiative wehrte sich, unterstützt von BUND Berlin, VCD Nordost und der Deutschen Umwelthilfe (DUH).
Das Gericht hab der DUH und dem Kläger Recht! Tempo 30 bleibt erhalten. Das Urteil aus Juli 2026 ist ein wichtiges Signal für ganz Berlin. Der rbb berichtete ausführlich über die erfolgreiche Klage.
Saarstraße (Schöneberg-Friedenau /Steglitz): Auch auf der Saarstraße klagte die DUH gegen die Tempo 30 Abschaffung, mit demselben Erfolg.
Beide Straßen zeigen, dass die StVO-Reform 2024 funktioniert, auch wenn wir uns als ADFC Stadtteilgruppen noch viel weitreichendere Befugnisse der Kommunen zur Anordnung von Tempo 30 wünschen würden. Wenn Schulen, Kitas und hochfrequentierte Schulwege betroffen sind, muss Tempo 30 angeordnet werden.
Was bedeutet das für die Marienfelder Allee?
Es gibt einen rechtlichen Weg. Die DUH hat gezeigt, dass Klagen von Eltern- und Nachbarschaftsinitiativen erfolgreich sein können. Die Marienfelder Allee hat mehrere Schulen im Umfeld, zahlreiche Kitas direkt an der Straße, eine hohe Dichte an Kfz- und Lkw-Verkehr, nachweisbare Gefahrenstellen. Mit der Unterstützung zahlreicher Verbände und Inis und einer engagierten Zivilgesellschaft setzt der ADFC Schöneberg sich gemeinsam mit dem ADFC Tempelhof dafür ein, dass die Marienfelder Allee lebenswerter wird und ihre ganztägig geltende Tempo 30 Anordnung zurückerhält.
Nächste Demo Marienfelder Allee: 29. September 2026
Start: 17:30 Uhr Marienfelder Allee 107/109, 12277 Berlin (direkt vor der Bibliothek Marienfelde)
Route: Marienfelder Allee - Großbeerenstraße - Friedensstraße - Hildburghauser Straße - Weskammstraße - zurück zur Bibliothek
Forderungen des Bündnisses:
- Sichere Schul- und Kitawege, zu Fuß und mit dem Fahrrad
- Wieder-Anordnung von Tempo 30 rund um die Uhr (nicht nur nachts)
- Barrierefreie, sichere Querungsmöglichkeiten (Zebrastreifen, Ampeln)
- Ein sicherer, geschützter Radweg für alle
- Flächengerechtigkeit: Schluss mit der Bevorzugung des motorisierten Verkehrs
Weitere Demo-Termine:
Dienstag, den 29.09.2026 um 17:30 Uhr
Dienstag, den 27.10.2026 um 17:30 Uhr
Dienstag, den 24.11.2026 um 17:30 Uhr
Was ihr tun könnt
1. Zur Demo kommen
Dienstag, den 29.09.2026 um 17:30 Uhr, Start: Bibliothek Marienfelde. Auch wenn es etwas weiter draußen ist: eure Präsenz zählt! (Link Webseite ADFC Tempelhof)
2. DUH-Petition unterschreiben
Die Deutsche Umwelthilfe klagt gegen die Tempo-30-Abnahmen und sammelt Unterschriften (Webseite der DUH)
3. Tempo 30 selbst beantragen
Eltern können Tempo 30 für Kita oder Schule beantragen, auch ohne juristisches Fachwissen (Anleitung der BEAS Marzahn Hellersdorf)
4. Wählen gehen
Am 20.09.2026 finden die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus statt, und auch für die Bezirksverordnetenversammlungen. Jede Stimme zählt für einen #NeustrartfürsRad (Webseite Landesverband und TS)
5. Teilen und verbreiten
Teilt diesen Artikel, die Demo-Termine, die Petition. Je mehr Menschen wissen, dass Verkehrssicherheit für vulnerable Verkehrsteilnehmende und der Hitze- und Baumschutz auf dem Spiel stehen, desto stärker wird unser Protest.
Kontakt:
ADFC Stadtteilgruppe Tempelhof: mechtild.lutze@adfc-berlin.de
Treffen des Bündnis Marienfelder Allee: Jeder 1. Dienstag im Monat um 17:30 Uhr im Stadtteilzentrum Marie-Li








