Darstellung des Streckenverlaufs des Radschnellweges durch Reinickendorf

Ausschnitt Tegel der Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg Reinickendorf © Infravelo

Diskussion zur Machbarkeitsstudie "Radschnellverbindung Reinickendorf"

Zur Diskussion „Radschnellweg in der Berliner Straße in Tegel - Drohen Parkplatznot und Verkehrschaos?" hatte am 11.Oktober 2022 die CDU Reinickendorf in die Tegeler Seeterrassen eingeladen.

Die Veranstaltung war gut besucht, die Gäste zeigten großes Interesse. Felix Schönebeck, Vorsitzender der CDU Tegel, begrüßte die Gäste, stellte die beiden CDU-Abgeordneten Stephan Schmidt und Björn Wohlert als Diskussionspartner vor, sowie Martin Lorenz, Verkehrsexperte und langjähriges Mitglied des Verkehrsausschusses Reinickendorf. Dieser stellte die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur „Reinickendorf-Route“ kurz vor und moderierte die Veranstaltung.
Die CDU kritisierte im Vorfeld dass man nicht jegliche Mobilität - von selbstfahrenden Fahrzeugen bis hin zum Fußverkehr - in die Studie mit aufgenommen hatte, die von der InfraVelo, ein eigens für die Planung des Radverkehrs in Berlin geschaffenes Unternehmen, erarbeitet worden sei. Auch hatte der Senat sich mit der Vergabe an ein eigenes Unternehmen um die Neutralität gebracht.
Laut Sen UVK “sollen Radschnellverbindungen Anreize insbesondere für Autofahrer*innen schaffen, häufiger das Fahrrad zu benutzen. Die umweltfreundliche Alternative zum motorisierten Verkehr lohnt sich für viele Menschen und auf vielen Wegen – besonders dann, wenn man mit dem Rad sicher und ähnlich schnell unterwegs sein kann wie mit dem Auto. Die Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil der Kfz-Fahrten in Berlin kurzer als 10 km und ein beachtlicher Anteil sogar kurzer als 5 km ist. ...“
Herr Dr. Andreas Rietz, Vorsitzender des Verkehrsausschusses wies in seinem Redebeitrag auf den Auftrag der Machbarkeitsstudie hin: „Die Machbarkeitsstudie ist eine Erhebung, die sich ausschließlich mit den Anforderungen einer zeitgemäßen zukunftsorientierten Radverkehrsplanung befasst, die gesetzlich verankert ist. ...“ „Mit dem am 05.07.2018 verabschiedeten Mobilitätsgesetz wurde die Grundlage für den Ausbau einer Radverkehrsinfrastruktur geschaffen. Dies beinhaltet neben dem Aufbau eines Radverkehrsnetzes auf Haupt- und Nebenstraßen, das lückenlose und sichere Verbindungen ermöglicht, u.a. auch bis 2030 die Schaffung von 100 Kilometern Radschnellverbindungen. Laut Koalitionsvertrag sollten bereits in der letzten Legislaturperiode in Berlin erste Radschnellverbindungen umgesetzt werden...“
Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie durch die InfraVelo hat wiederum ergeben, dass die Streckenführung durch die Berliner Straße für den Radschnellweg die optimale Route ist, denn neben Belangen von Naturschutz, Anwohnern, Kosten, organisatorischen Regelungen mit querenden Straßen u.a., bietet die Berliner Straße den Alltagsfahrradfahrenden die kürzeste Strecke, um in Berlins Zentrum zu radeln. Mehrere alternative Routen wurden betrachtet, aber nach Abwägung aller Vor- und Nachteile nicht weiterverfolgt. Details der Planung stehen noch nicht fest, so ist z.B. die Streckenführung an den Bushaltestellen noch nicht konkretisiert worden.
Die bestehende Situation, dass die Fahrbahn neben den parkenden Fahrzeugen laufend durch Lieferverkehr und Parker in 2. Reihe blockiert wird, führt dazu, dass Radfahrende gezwungen werden, sich in den fließenden Verkehr auf der linken Spur einzuordnen, was regelmäßig zu gefährlichen Situationen führt und die Autofahrenden teilweise provoziert. Realistisch betrachtet, führt auch jetzt nur eine Fahrspur für die Autos von Norden kommend durch das Zentrum, denn nicht nur die blockierte rechte Spur vor den Geschäften zwingt die Autos auf nur eine Fahrbahn, sondern auch die im Bereich des Johanniter-Seniorenheims errichtete Busspur.
Aktuell sind alternative Routen für Radfahrende sind kaum möglich, da die vielen kopfsteingepflasterten Nebenstraßen natürlich von Radfahrenden gemieden werden oder dazu führen, dass auf Fußwege ausgewichen wird.
Herr Schmidt bestätigte, den Nachholbedarf im Bereich der Radfahrinfrastruktur in Reinickendorf und auch die CDU spricht sich für die Förderung des Radverkehrs aus. Auf Nachfrage erklärten die Mitglieder der CDU aber auch, dass sie sich in der Berliner Straße keinen Radverkehr wünschen und sowohl 2 Fahrspuren für Autos wie auch das Parkplatzangebot erhalten bleiben soll. Man sprach sich für den Ausbau alternativer Strecken aus. Insbesondere müsse für eine eventuelle Umleitung bei Autobahnsperrungen die 6-spurige Straße erhalten bleiben.
Trotz emotional aufgeladener Stimmung konnte die anschließende Diskussion auf sachlicher Ebene geführt werden. 
Einige Diskussionsteilnehmende wiesen darauf hin, dass die Schlossstraße in Steglitz oder die Kantstraße gute Beispiele seien, wie Radfahrende, zu Fußgehende und Autofahrende neben dem ÖPNV als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmender nebeneinander bestehen können. Beispiele aus anderen großen europäischen Städten zeigen, dass ein politischer Wille, eine gute Planung und eine entsprechende Umsetzung Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmenden minimieren kann. Insbesondere die Sicherheit wurde als wesentliche Forderung anerkannt.
Auf Nachfrage zitierte Herr Schönebeck auch ein Teilergebnis einer Umfrage, die der ADFC Reinickendorf initiiert und gemeinsam mit dem Verein „I love Tegel“ durchgeführt hatte. Die Umfrage beschäftigt sich mit der aktuellen Parksituation auf der Berliner Str., eine Hauptverkehrsstraße durch das Zentrum Tegels. Ab November 2022 wird die Verkehrsführung wegen der Umbaumaßnahmen der U6 geändert. Um die Auswirkungen realistisch bewerten zu können, ist eine weitere Durchführung der Umfrage von den Initiatoren geplant. Insofern ist das vorliegende Ergebnis nicht repräsentativ.
Für den Lieferverkehr wünschen sich die Unternehmenden entsprechende Haltezonen.
Was interessanterweise in der Diskussion überhaupt nicht in Betracht gezogen wurde, dass auch Radfahrende in Tegels Geschäften einkaufen und damit zur Kundschaft zahlen!
Nachgewirkt hat ein Statement eines Gastes. Er bedauerte, dass die Diskussion sehr rückwärtsgewandt geführt und sehr viel kritisiert wurde ohne konkrete eigene Vorschläge zu präsentieren. Er plädierte ausdrücklich dafür, den Blick nach vorne zu richten! "Lösungen entwickeln, statt Probleme aufzuzeigen!"
Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Diskussionen bei der Lösungsfindung hilfreich sein können. Das setzt jedoch voraus, dass die unterschiedlichen Interessen auch wahrgenommen werden.

Text: Geißler

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https://berlin.adfc.de/artikel/diskussion-zur-machbarkeitsstudie-radschnellverbindung-reinickendorf

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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