Blick auf die Warthe

Der Weg über die Warthe führt jetzt über eine sechs Kilometer entfernte Brücke © Stefan Jacobs

Tourentipp: Polen – auf zu neuen Ufern

Das Land östlich der Oder lockt mit wunderbarer Natur und dramatischer Geschichte zu einer Wochenendtour mit grandiosem Finale. Von Stefan Jacobs.

Das Jahr ist noch jung, aber Brandenburg irgendwie abgegrast? Auf in die Neumark! Das immer noch ziemlich unbekannte Land östlich der Oder ist mit dem Regionalzug RE1 von Berlin aus alle 20 Minuten erreichbar – und in einer Stunde ist man da. Auf geht es am frühen Morgen zu einer Zweitagestour, die passablen Belag mit möglichst wenig Autoverkehr kombiniert.

Man rollt wie von allein bergab vom Bahnhof Frankfurt (Oder) zum Ufer des großen Flusses und über die Stadtbrücke nach Słubice. Wenn man schon morgens zur Gassi-Zeit auf den Deichweg einbiegt, muss man vielleicht an ein paar Hunden vorbei, aber der Weg ist eine schöne Lindenallee und das Städtchen vertut sich bald. Auf Wohnhäuser folgen Gärten, dann Auwald und Wiesen. Frösche quaken, Unken unken, im hohen Gras knarzt ein Fasan.

Der Weg wechselt zwischen Verbundpflaster und Asphalt; auf ein paar unbefestigten Metern dazwischen reinigt das taunasse Gras die Schuhe. Bis auf einzelne Angler wirkt das Land menschenleer. Vom deutschen Ufer grüßt Lebus, das wie ins Regal dekoriert wirkt: Eine Reihe Häuser steht am Fluss, eine zweite oben auf dem Hang.

An einem alten Wachturm verlassen wir die Oder und durchqueren Górzyca (Göritz). Das Dorf ist eines von vielen auf dieser Tour, in denen sich das Leben in den Gärten hinter den Häusern abspielt, während vorn die Durchgangsstraße nervt. Wir sind sie nach wenigen Metern wieder los und errichteten die Preußen ab 1887 ein Fort, um Küstrin zu schützen, was bekanntlich misslang. Zwischen weiten Feldern führt die Landstraße Richtung Słońsk (Sonnenburg). Genau genommen trifft sie vorher auf die unvermeidliche Landesstraße 22. Nach einer mentalen Stärkung beim Blick vom Vogelbeobachtungsturm bringen wir die zweieinhalb Kilometer zügig hinter uns. kurbeln uns an Solarpaneelen vorbei auf ein Plateau. Auf dem errichteten die Preußen ab 1887 ein Fort, um Küstrin zu schützen, was bekanntlich misslang. Zwischen weiten Feldern führt die Landstraße Richtung Słońsk (Sonnenburg). Genau genommen trifft sie vorher auf die unvermeidliche Landesstraße 22. Nach einer mentalen Stärkung beim Blick vom Vogelbeobachtungsturm bringen wir die zweieinhalb Kilometer zügig hinter uns.

Am Ortseingang Słońsk beginnt ein Radweg, der direkt zum (montags geschlossenen) Besucherzentrum des 2001 eingerichteten Nationalparks Warthemündung führt. 280 Vogelarten wurden hier gezählt. Und tatsächlich, nachdem Słońsk mit seiner spätgotischen Kirche und der Schlossruine am Horizont verschwindet, wird die Zahl plausibel: Überall in den Gräben, Büschen und Weihern zirpt und trällert es. Mit jedem Meter Richtung Warthe wird’s idyllischer. Am Deich steht ein polnisches Paar mit E-Bikes; in Tarnfarben gekleidet vom T-Shirt bis zum Teleobjektiv. Der Mann macht auf ein markantes „Wupwupwup“ aufmerksam: Ein Wiedehopf sei das. Der sitze oft auf Weiden oder Zäunen; man solle die Augen offenhalten.

Der Weg zum nördlichen Ufer zieht sich, weil von der angeblichen Warthe-Fähre nur der verwaiste Anleger übrig ist. Die sechs Extrakilometer zur nächsten Brücke lassen sich leicht verschmerzen. Perfekter Asphalt krönt den Deich mit Panoramablick auf die Flussauen links und die winzigen Siedlungen rechts des Weges. Es scheint mehr Störche als Menschen und Autos zu geben hier in „Nowa Ameryka“, in dem die Orte Namen trugen wie Saratoga, Jamaika und Maryland. Siedler, die nach Amerika wollten und hier hängen andere dickfellige Zeitgenossen auf Besuch. Wer für heute genug hat, f indet Quartiere im Ort. Ansonsten Die Ex-Bahnbrücke über die Oder. naht das grandiose Finale. Die Landschaft wirkt hier uckermärkisch mit ihren knackigen Hügeln, von denen man einen kleintreten muss, blieben, gaben den Weilern um 1780 ihre Namen.

Die Landstraße am Nordufer ist weniger idyllisch als der Hinweg, aber bald ist Witnica (Vietz) erreicht. Das Städtchen mit seinen Eisläden und Restaurants ist das lebendigste und einladendste auf dieser Tour. Es gibt sogar eine Brauerei, und sowohl am Marktplatz als auch idyllisch am See etwas nordwestlich finden sich einfache Hotels. Nach den 73 Kilometern des Tages lohnt ein Abendbummel durch den „Wegweiser-Park“ im Zentrum, dessen Exponate von historischen Mühl- und Meilensteinen über Gasschieber und Maschinenteile bis zu Philosophischem reichen. Der teils bevor man den Bahntrassenweg Nr. 20 erreicht: Der zieht sich perfekt ausgebaut in famosem Wechsel zwischen Feldern, Wäldchen, Teichen und einem Bach bis an die Oder. Dort geht es über die Ex-Bahnbrücke nach Deutschland und Luftlinie nach Wriezen, wo die Regionalbahn im Stundentakt durch vertraute Gefilde fährt. zweisprachig beschilderte Park erinnert auch an die Geschichte der Gegend, deren Bewohner 1945 drangsaliert und vertrieben wurden. In ihre geplünderten Häuser wurden wiederum vertriebene Polen quartiert. Vertriebene Deutsche aus dem ehemaligen Kreis Königsberg (Chojna) haben die Geschichte der Orte in einem dicken Buch dokumentiert.

Unsere 86 Kilometer lange zweite Etappe führt größtenteils durch diesen Kreis. Den Anfang macht die ruhige Landstraße, die dezent, aber spürbar ansteigt, während sie als kathedralenartige Eichenallee nordwärts nach Mosina führt. Hinter Mostno folgen drei Kilometer schikanöses Kleinpflaster. Aber wenn die Baustelle entlang dieser Holperpiste nicht trügt, wird bald ein Radweg nach Dębno (Neudamm) gebaut. Der im Krieg zerstörte Ort ist mit einem See gesegnet, aber mit Autoverkehr geschlagen. Immerhin führt ein Radweg nordwärts zum Stadtrand, wo eine ruhigere Straße nach Klepin (Kleppin) und Grzymiradz (Grünrade) abzweigt. Über Smolnica (Bärfelde) geht’s westwärts nach Troszyn (Trossin) und weiter auf einer Allee, die schon preußischen Kutschen Schatten gespendet haben dürfte. Rechts und links endlose Felder, geradezu grüßt der dicke Kirchturm von Mieszkowice (Bärwalde). Auf dem Platz vor dem Rathaus zeigen Fotos das Städtchen von einst.

Weiter geht’s nach Moryń (Mohrin), Sommerfrische seit Jahrhunderten dank großem See mit Badestrand. Im frei zugänglichen „Eiszeitpark“ am Ufer warten Mammuts und andere dickfellige Zeitgenossen auf Besuch. Wer für heute genug hat, f indet Quartiere im Ort. Ansonsten Die Ex-Bahnbrücke über die Oder. naht das grandiose Finale. Die Landschaft wirkt hier uckermärkisch mit ihren knackigen Hügeln, von denen man einen kleintreten muss, blieben, gaben den Weilern um 1780 ihre Namen. Die Landstraße am Nordufer ist weniger idyllisch als der Hinweg, aber bald ist Witnica (Vietz) erreicht. Das Städtchen mit seinen Eisläden und Restaurants ist das lebendigste und einladendste auf dieser Tour. Es gibt sogar eine Brauerei, und sowohl am Marktplatz als auch idyllisch am See etwas nordwestlich finden sich einfache Hotels. Nach den 73 Kilometern des Tages lohnt ein Abendbummel durch den „Wegweiser-Park“ im Zentrum, dessen Exponate von historischen Mühl- und Meilensteinen über Gasschieber und Maschinenteile bis zu Philosophischem reichen. Der teils bevor man den Bahntrassenweg Nr. 20 erreicht: Der zieht sich perfekt ausgebaut in famosem Wechsel zwischen Feldern, Wäldchen, Teichen und einem Bach bis an die Oder. Dort geht es über die Ex-Bahnbrücke nach Deutschland und Luftlinie nach Wriezen, wo die Regionalbahn im Stundentakt durch vertraute Gefilde fährt.

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