Mit Lastenrädern mehr als 16 Mal um die Erde

 

Wie aus einer verwegenen Idee im ADFC Berlin rund 200 freie fLotte-Lastenräder für die ganze Stadt wurden. Ein Gründervater zieht Zwischenbilanz. Von Thomas Büermann.

 

Vor vier Jahren erhoffte sich das frisch gegründete fLotte Team ein kleines bisschen Aufmerksamkeit für das Thema „Freies Lastenrad“. Weg vom Auto, hin zu mehr klimafreundlichen Lastenradtransporten – mitten in der großen Stadt Berlin mit ihren vielen aufregenden Initiativen und engagierten Menschen. Es ging um die ziemlich verwegene Idee, Lastenräder dadurch populärer zu machen, dass sie kostenlos ausleihbar sind – und damit der Verkehrswende einen weiteren, im Wortsinn erfahrbaren Baustein hinzuzufügen.

Ende des Jahres 2021 ist Berlin die Stadt mit dem größten Lastenrad-Verleihsystem – vermutlich weltweit. Das Tollste: Das Prinzip, die fLotten Lastenräder kostenlos zu verleihen, konnte konsequent durchgehalten werden. Derzeit stehen ca. 180 Räder in Berlin samt Umland zur Ausleihe bereit, bis zum Jahresende sollen es 200 Räder werden.

Seit dem fLotten Start im Januar 2018 bis Mitte Oktober 2021 waren 11.012 Nutzer*Innen an 61.286 Tagen mit einem fLotten Lastenrad unterwegs. Die Zahl der fLotten Nutzer*Innen wächst jeden Monat um ca. 500 Menschen. Ein weiterer Antrieb für unser Team, die Zahl der verfügbaren Lastenräder kontinuierlich zu steigern.

Der Aufbau der fLotte schafft immer wieder neue Herausforderungen, aber das Team wird vom beständig eintrudelnden Dank der Nutzer*Innen bestens motiviert. „Ich finde die fLotte ganz großartig!“, schreibt zum Beispiel Tabea auf der fLotte-Plattform. „Danke, dass ihr diesen tollen Service anbietet!“ (Benjamin), „Wir haben unseren Umzug erfolgreich geschafft mit 2 fLotten Lastenrädern“ (Elliott) und Nicolas schreibt sogar: „fLotte Berlin ist das Beste, was im Berliner Verkehr passiert ist, seitdem ich in Berlin wohne (2009) – vielen Dank nochmal.“ Wir sind gerührt.

Statt Lenkrad in der Hand ein Lächeln im Gesicht

Ein Teilprojekt der fLotte ist fLotte kommunal. Gefördert wird das Projekt von den Berliner Bezirksämtern und finanziert im Wesentlichen aus Mitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 (BEK 2030). fLotte kommunal soll eine möglichst gleichmäßige Versorgung Berlins mit kostenfrei ausleihbaren Lastenrädern sicherstellen. Mit dem Bezirk Mitte hat sich nun auch der zwölfte und letzte Berliner Bezirk der Initiative fLotte kommunal angeschlossen und im ersten Quartal 2022 wird daher besonders in diesem Bezirk ein Schwung weiterer Lastenräder auf die Straße kommen.

Das Ziel der fLotte: Möglichst vielen Menschen, insbesondere denjenigen, die Mobilität mit dem Festhalten eines Lenkrads gleichsetzen, soll ein Lächeln ins Gesicht gezaubert werden. Dieses Lächeln überkommt fast jeden, der die ersten wackligen Meter auf einem Lastenrad hinter sich hat. Dann kommt nämlich gelassenes Gleiten, selbstbewusste Souveränität und, falls die Kinderbank besetzt ist, auch noch die Begeisterung der kleinen Beifahrer*Innen.

Auch das Klima freut sich: Mit durchschnittlich 11 km pro gebuchtem Tag (laut euren Angaben in der Nutzerumfrage) wurden seit dem Start der fLotte 674.146 km per fLottem Lastenrad zurückgelegt – das macht ca. 16,9 Erdumrundungen. Ohne die fLotte hättet ihr 38 Prozent dieser Fahrten stattdessen mit dem Auto gemacht, das ergibt eine CO2-Einsparung von ca. 54.950 kg (bei durchschnittlicher CO2-Emission von 143 g/Pkm für Pkw, laut Umweltbundesamt, 2019).

Die fLotte Family wächst

Neben zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich bei der fLotte engagieren, wächst auch das Team von Hauptamtlichen im ADFC Berlin, die sich um ein möglichst reibungsloses Funktionieren der stadtweiten Ausleihe kümmern. Auch die tagtägliche Mitarbeit der Standorte, die die Räder beheimaten und verleihen, sowie der Pat*Innen und der Sanitäter*Innen der fLotten Ambulanz, die sich ständig um das Wohlergehen der Lastenräder kümmern, sind eine unverzichtbare Säule für den fLotten Erfolg.

 

Grob überschlagen besteht die fLotte Family, also die Gemeinschaft all derer, die auf die eine oder andere Art regelmäßig zum Gelingen dieses Projekts beitragen, aus mindestens 500 Menschen. Sie alle fördern mit ihrer Mitarbeit die Verkehrswende. Sie alle machen auch täglich sichtbar, dass die Welt wenigstens in diesem Bereich ohne Kommerz funktionieren kann und dass die Idee einer gemeinschaftlichen Verantwortung für öffentliches Gut nicht nur Träumerei ist. Manchmal können wir es im fLotte-Team gar nicht fassen, dass wir bisher nur einen einzigen Diebstahl zu verzeichnen hatten, dass Vandalismus nur sehr selten vorkommt und dass die Räder immer wieder an ihre Standorte zurückkehren – auch wenn manchmal mit Spürsinn, großem Einsatz und Glück nachgeholfen werden muss.

Das Prinzip Lastenrad hat in den letzten Monaten ungeahnte Popularität gewonnen, wurde zum Symbol für die Verkehrswende und schaffte es sogar zum Wahlkampfthema. In den Medien und der Öffentlichkeit wurde es vom belächelten Exoten zum ernst zu nehmenden Teil des Alltagsverkehrs. Wenn die fLotte daran ein bisschen Anteil hatte, dann hat das Projekt ein wichtiges Ziel erreicht. Und wenn durch die vermehrte Präsenz von Lastenrädern im Straßenverkehr der Druck auf die Politik und die Behörden wächst, die Fahrradinfrastruktur endlich dem realen Verkehrsanteil des Fahrrads anzupassen, dann ist ein weiteres fLottes Ziel erreicht.

Video: Werde Teil der fLotte Familie!



Unser nächstes Etappenziel ist es, das Lastenrad auch in den Außenbezirken als alltägliches Verkehrsmittel zu etablieren. Während das Lastenrad in den Szenekiezen längst zum guten Ton gehört, ist es weiter draußen immer noch ein ungewohnter Anblick. Das wollen wir ändern und versuchen, die Anzahl der Räder vorrangig in den Außenbezirken zu erhöhen. Zusätzlich engagiert sich das Team u. a. beim Auf- und Ausbau der fLotte Brandenburg.

Eines ist also sicher: Auch im nächsten Jahr werden fLotte Lastenräder eine gewichtige Rolle spielen im Kampf für eine Welt mit weniger Blech und mehr menschengerechtem Verkehr.

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https://berlin.adfc.de/artikel/mit-lastenraedern-mehr-als-16-mal-um-die-erde

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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