Auf der Spur des Weines

 

Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. liebte einen edlen Tropfen. Wenn er Gäste ins Schloss Königs Wusterhausen einlud, servierte der „Soldatenkönig“ gern ein Glas Wein – nicht etwa von irgendwelchen süddeutschen Lagen, sondern von märkischen Hängen.

 

Lange war die Tradition des Weinanbaus in der Mark Brandenburg in Vergessenheit geraten, seit einigen Jahren lebt sie wieder auf. KATRIN STARKE und CLAUDIA LIPPERT sind auf den Spuren des Weins geradelt – auf der vom Tourismusverband Dahme-Seen ausgewiesenen Genießertour „Kulinarik und Weinkultur“.  

Ausgangspunkt der 26 Kilometer langen Rundtour ist der Bahnhof Königs Wusterhausen. Von dort geht es zunächst zur Stadtschleuse und dann für etwa acht Kilometer am Nottekanal entlang. Schnurgerade verläuft der Radweg direkt am Wasser, auf dem mal eine Schwanenfamilie ihrer Wege zieht, mal ein Entenpärchen auf der glatten Wasseroberfläche zur Landung ansetzt. Ansonsten ist nur das Rauschen der Blätter in den mächtigen Kastanienbäumen zu hören, die den Radweg fast auf der gesamten Strecke bis nach Mittenwalde säumen. Nur selten kommt einem ein Radler entgegen – und wenn, dann sind es weniger Touristen auf edlen Tourenrädern, sondern Einheimische. Statt auf den zwischen Königs Wusterhausen und Mittenwalde nicht eben häufig verkehrenden Bus zu warten, legen sie die kurze Strecke von und zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Unkrautjäten auf dem kleinen Stück Gartenland lieber rasch auf dem Sattel zurück.

Im Mittenwalder Weinhaus will die Einkehr geplant sein   

Auch wenn die Räder an manchen Stellen etwas tiefer im Sand einsinken, ist das Gros des Weges gut befestigt, so dass die „Baruther Vorstadt“ in Mittenwalde rasch erreicht ist. Es ist also genug Zeit für einen Abstecher in den mittelalterlichen Kern des hübschen, aber etwas verschlafen wirkenden Städtchens. Sogar das Mittenwalder Weinhaus hat geschlossen – und das, obwohl unsere Tour doch von den Tourismusvermarktern als „Tour zum Genießen des edlen Tropfens“ angepriesen wird. Nur freitags am Nachmittag und sonnabends am Vormittag öffnet Peter Hundrieger sein Haus samt sehenswertem Weinkeller. Oder nach telefonischer Vereinbarung. Geöffnet hat dagegen das Heimatmuseum – leicht erkennbar an der von Wein berankten Fachwerkfassade – mit seinem kleinen Weinlehrgarten hinter dem Haus.

 

Übers Kopfsteinpflaster geht’s nach dem Museumsbesuch ein Stück zurück, wir überqueren den Nottekanal, dann noch ein Stückchen weiter geradeaus, und am Ende der Straße biegen wir nach links ab. Kurz hinter einem wuchtigen Klinkerbau, dem Paul-Gerhardt-Haus, erreichen wir den ehemaligen Bahnhof, heute Ausgangspunkt der Draisinenbahn Mittenwalde. Urlauber, die hier mit Pedalkraft über alte Gleisen strampeln wollen, können sich in einer ungewöhnlichen Unterkunft einmieten: in historischen hölzernen Bahnwaggons.

Kein Dracula mehr im Schenkendorfer Schloss

Wir folgen der leicht ansteigenden Schenkendorfer Chaussee und überqueren die Autobahn A 13. Danach geht es sanft bergab, auf straßenbegleitendem Radweg lassen wir die Räder bis nach Schenkendorf einfach rollen. Im Ort liegt linkerhand verlassen und seit einem Brand vor einigen Jahren vor sich hingammelnd das neoklassizistische Schloss – vielen Freunden von Vampirgeschichten allerdings noch immer ein Begriff, residierte doch hier bis zu seinem Tod 2007 Vlad Dracula Prinz Kretzulesco. Der Berliner – mit bürgerlichem Namen Ottomar Berbig – hatte sich von der letzten Trägerin des Namens Dracula, einer 96-jährigen Rumänin, adoptieren lassen. Schon seltsam, was manche Leute alles tun, um sich selbst zu vermarkten. Wir biegen gegenüber dem mit Ranken überwucherten Schlosseingang in die ehemalige Bergbausiedlung ein. Der Schriftzug „Glück Auf“ an einem der roten Klinkerbauten kündet noch davon, dass hier einmal Braunkohle abgebaut wurde.

Laut Tourenplan sollen Radler in die Straße am Klärwerk einbiegen. Oder noch ein paar hundert Meter weiter geradeaus radeln, sofern sie am Ufer des Krummen Sees pausieren möchten. Wir setzen unsere Tour ohne Pause fort. Schließlich sind wir ja auf Weintour, und für Freunde eines besonderen Rebensaftes lohnt die Einkehr in der Gaststätte „Strandhaus“ direkt am Badestrand nicht unbedingt. Stattdessen folgen wir ein Stück dem unbefestigten Waldweg parallel zum Seeufer, radeln durch eine ruhige Wohnsiedlung und schwenken schließlich auf den straßenbegleitenden Radweg nach Bestensee ein. Gegenüber der Feldsteinkirche biegen wir nach rechts ab. Die hölzerne kleine Bockwindmühle kommt in Sicht – und zeigt uns an, dass wir auf dem richtigen Weg sind zum 34 Meter hohen Mühlenberg. An dessen Hang hat der 2010 gegründete Bestenseer Weinbauverein die alte Tradition wiederaufleben zu lassen – ganz in der Nähe des ursprünglichen Standorts, von dem der Soldatenkönig seinen Wein bekam. Auf 0,75 Hektar pflanzten die Vereinsmitglieder 3.300 Reben an – die weißen Rebsorten Johanniter, Solaris und Cabernet Blanc sowie die Rotweinsorten Cabernet Cortis und Pinotin. Und der Weingott Bacchus – vom Künstler Olaf Vietzke aus Holz geschnitzt – wacht  oben auf dem Berg darüber, dass die Reben gut gedeihen. Ein schönes Plätzchen auch für eine kurze Rast, dann geht es durch die Obstwiesen zur Hauptstraße.

Ein Stück entlang der B 246, über den Bahnübergang, gleich danach links in die Zeesener Straße einbiegen, führt der Weg am Todnitzsee und am Zeesener See entlang zurück nach Königs Wusterhausen. Eine nette Halbtagstour, bislang allerdings noch nicht beschildert.

Ein Flyer mit Wegbeschreibung der Radtour „Kulinarik und Weinkultur“ ist erhältlich beim Tourismusverband Dahme-Seen (Bahnhofsvorplatz 5 in Königs Wusterhausen, Telefon 03375 252025, www.dahme-seen.de).

Anreise: mit S-Bahn, Regionalexpress oder der Regionalbahn von Berlin zum Bahnhof Königs Wusterhausen. Mit dem RE 2 beispielsweise erreicht man den Bahnhof KW vom Berliner Hauptbahnhof aus ohne Umsteigen in 34 Minuten.

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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