Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Berlin e. V.

Teilnehmende einer Kidical Mass fahren auf dem Fahrrad auf der Fahrbahn der Yorckstraße in Berlin Schöneberg, unter den Brücken

Kidical Mass Schöneberg im Mai 2025 auf der Yorckstraße © AG KinderFahrenRad

Forderung zur Wahl 2026: Maßnahmen für einen kinderfreundlichen Radverkehr

Kinder sind die besten Expert:innen für ihre eigenen Wege. Aktuell müssen sie sich jedoch durch einen Straßenverkehr kämpfen, der für Autos gemacht ist, und nicht für sie. Hier stellen wir Forderungen für einen kinderfreundlichen Radverkehr zusammen.

Im Herbst 2026 sind in Berlin Abgeordnetenhauswahlen. Zu diesem Anlass stellt die AG KinderFahrenRad die wichtigsten Forderungen für einen kinderfreundlichen Radverkehr zusammen. Unsere Forderungen leiten sich aus dem ADFC Forderungskatalog 2026-2031 „NeustartFürsRad – Das Fahrrad als Schlüssel für eine gute Stadt für alle“ ab, der am 11. März 2026 im spektakulären Radweg-Kleid der Künstlerin Athena Macke vor dem Abgeordnetenhaus an die verkehrspolitischen Sprecher:innen der demokratischen Parteien Berlins übergeben wurde.

Das Motto lautet: „Gute Radwege machen eine Stadt lebenswert, funktionierend, gerecht, gesund und zukunftsfähig.“ (Eberhard Brodhage, ADFC Berlin)

Wir sagen: „Geht's den Radfahrenden gut, geht’s allen gut.“ 

 

Der ADFC Forderungskatalog 2026-2031 "#NeustartFürsRad - Das Fahrrad als Schlüssel für eine gute Stadt für alle" umfasst 5 Kapitel:

1. Berlin als lebenswerte Stadt: für die Verkehrswende, das Berliner Mobilitätsgesetz, ein durchgängiges Radnetz 

2. Mehr Fahrrad für ein funktionierendes Berlin: Verwaltung, Finanzierung, Infrastruktur

3. Mehr Fahrrad für ein gerechtes Berlin: Kinder, Ältere, Tempo 30, Verkehrssicherheit allgemein

4. Mehr Fahrrad für ein zukunftsfähiges Berlin: Wirtschaft, Öffentlicher Nahverkehr, Vernetzung, Fahrradabstellanlagen

5. Mehr Fahrrad für ein gesundes Berlin: Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, Lastenräder

Für einen kinderfreundlichen Radverkehr ist das 3. Kapitel „Mehr Fahrrad für ein gerechtes Berlin“  eine Fundgrube, reinschauen lohnt sich. Der Katalog ist gerade in diesem Kapitel ein Werkzeug für Eltern, Lehrer:innen und Erzieher:innen, Betreuende, Initiativen, Verbände.

Natürlich könnt ihr auch in anderen Kapiteln fündig werden. Beispielsweise sind Fahrradabstellanlagen auch an Schulen wichtig; mit dem Fahrrad zurückgelegte Schulwege sind gesundheitsfördernd; Mobilitätsbildung ist ein entscheidender Faktor für den Schulunterricht, und das weit über die 4. Klasse und die Radfahrprüfung hinaus; die Kidical Mass ist immer auch ein Stück weit Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. 

 

Und fügen hinzu: „Geht's den Kindern gut, geht’s der Stadt gut.“

Unsere Zusammenstellung an Forderungen für einen kinderfreundlichen Radverkehr konzentriert sich auf die Themen, die für Kinder, Jugendliche und Familien besonders relevant sind: sichere Schulwege, weniger Kfz-Durchgangsverkehr und allgemeine Verkehrsberuhigung, geschützte Radwege, sichere Kreuzungen und Querungen sowie Mobilitätsbildung. Kinder sind die Verkehrsteilnehmenden, die am vulnerabelsten sind und gleichzeitig die, die am meisten von einer sicheren Infrastruktur profitieren. 

Wenn Kinder sicher mit dem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs sein können, dann können es auch 

  • ältere Menschen
  • Menschen mit Einschränkungen
  • unerfahrenere Radfahrende
  • alle, die mit Lastenrändern und Anhängern fahren

Was für Kinder sicher ist, ist für alle sicher. Hier sind 7 Kernforderungen für einen kinderfreundlichen Radverkehr:

1. Tempo 30: vor Schulen, Kitas und auf allen Schulwegen, Einsatz auf Bundesebene für Tempo 30 flächendeckend, StVO Reformen

2. Sichere Radwege an Hauptverkehrsstraßen: geschützt, breit genug für Lastenräder und Kinderanhänger

3. Sichere Kreuzungen und Querungen: getrennte Ampeln, keine rechtsabbiegenden Lkw ohne Schutz,

4. Schulzonen und Schulstraßen: Kfz-freie Lernräume und sicheres Ankommen vor Schulen

5. Verkehrsberuhigung in den Kiezen: Weniger Kfz-Durchgangsverkehr, mehr Aufenthaltsqualität

6. Jugendverkehrsschulen erhalten und ausbauen: Mobilitätsbildung fest verankern und in Schulen weiter ausbauen

7. Fahrradparken an Schulen und Kitas: Sichere Abstellmöglichkeiten und Lastenradplätze 

1. Tempo 30 für sichere Schulwege

Geschwindigkeit rausnehmen rettet Leben. Bei Tempo 30 haben Kinder eine weitaus höhere Chance, im Fall einer Kollisionen nicht schwer oder gar tödlich verletzt zu werden als bei Tempo 50.

Forderungen im einzelnen:

  • Tempo 30 vor sensiblen Einrichtungen: sofort allen Kitas, Schulen, Altenheimen, Pfegeeinrichtungen, Spielplätzen
  • Tempo 30 an allen Schulwegen: zügiger anordnen
  • Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts: Einsatz auf Bundesebene für weitere StVO-Reformen
  • Tempo 30 konsequent überwachen: mehr Kontrollen durch Polizei und Ordnungsämter, zusätzliche Blitzer anschaffen, Verkehrsunterricht anordnen

Der Senat nutzt alle Möglichkeiten der StVO-Novelle, um Tempo 30 im Stadtgebiet auszuweiten. Das ist die effektivste und günstigste Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit.“ (Kapitel 3.3)

2. Sichere Radwege an Hauptverkehrsstraßen

Kinder fahren nicht nur im Park und auf kleineren Nebenstraßen. Sie müssen auch auf Hauptverkehrsstraßen sicher unterwegs sein: zur Schule, zu ihren Freizeitaktivitäten, zu Freund:innen.

Forderungen im einzelnen:

  • mindestens 180 Kilometer neue Radwege pro Jahr (15 Kilometer pro Bezirk)
  • alle 1500 Kilometer Hauptverkehrsstraßen mit sicheren Radwegen ausstatten
  • Radwege breit genug für Lastenräder und Kinderanhänger, das Überholen muss möglich sein.
  • baulicher Schutz vor Dooring und abgestellten Autos
  • Pop-Up-Radwege als Sofortmaßnahme an besonders gefährlichen Stellen
  • Lückenschlüsse priorisieren, durchgängige Netze statt Inseln schaffen

Radverkehrsanlagen an Hauptverkehrsstraßen müssen baulich sowie ordnungsrechtlich vor illegalem Halten, Gefährdung durch Dooring-Unfälle und vor übermäßig vielen Querungen bei Parkvorgängen geschützt werden.“ (Kapitel 3.1)

3. Sichere Kreuzungen

Kreuzungen sind die gefährlichsten Stellen im Straßenverkehr. Hier passieren die meisten Unfälle mit Kindern. 

Forderungen im einzelnen: 

  • getrennte Ampeln für den Rad- und Kfz-Verkehr, besonders beim Rechtsabbiegen
  • Rechtsabbiegeverbot für Lkw bis zur Umgestaltung der Ampeln
  • aufgeweitete Radaufstellstreifen an allen Ampel-Kreuzungen
  • farbige Markierungen an Konfliktstellen
  • grüne Wellen für Radfahrende, mindestens zwei Kreuzungen ohne Halt
  • Grünpfeil für Radfahrende bei Rot, wo keine Konflikte mit dem Fußverkehr
  • geschützte Kreuzungen nach niederländischem Vorbild erproben
  • Abstellverbote für Autos an Knotenpunkten, stattdessen, etwa, Fahrradbügel

„Priorität bei der Umsetzung haben Knotenpunkte, an denen sich in den vergangenen Jahren Unfälle zwischen rechtsabbiegendem Schwerlastverkehr und Radfahrenden beziehungsweise Fußgänger:innen ereigneten. Diese erhalten sofort eine getrennte Signalisierung.“ (Kapitel 3.2)

4. Schulstraßen

Vor Schulen herrscht oftmals Verkehrschaos. Elterntaxis blockieren Wege, Kinder können nicht sicher ankommen.

Forderungen im einzelnen:

  • Jeder Bezirk richtet jährlich eine Schulzone ein, ähnlich wie die Singerstraße in Berlin-Mitte
  • Temporäre Schulstraßen, die zu Schulbeginn und -ende Kfz-frei sind, verstetigen
  • Beratungsstelle für Schulstraßenanträge einrichten
  • Leitfaden für Bezirke zur Errichtung von Schulzonen zur Verfügung stellen
  • sichere Querungen auf allen Schulwegen entlang von Hauptverkehrsstraßen
  • Kfz-freie Zonen vor Schulen, mit Begrünung und Aufenthaltsqualität
  • Elterntaxis vor Schulen verbannen, durch Kontrolle und Ansprache

„Kinder haben das Recht darauf, sicher ihre eigenständige Mobilität auszuprobieren und zu erlernen. Fahrradfahren fördert die Gesundheit, Motorik und Entwicklung von Kindern.“ (Kapitel 3.4)

5. Verkehrsberuhigung in den Kiezen

Kinder fahren und spielen vor der Tür und in ihrer Wohnumgebung. Kfz-Durchgangsverkehr macht das unmöglich.

Forderungen im einzelnen:

  • Kiezblocks fördern: Kfz-Durchgangsverkehr wirksam aus Wohngebieten heraushalten
  • Verkehrsberuhigte Bereiche ausweiten: Spielstraßen, Schrittgeschwindigkeit, Vorrang von Anwohnenden
  • Bürger:inneninitiativen bei der Einrichtung von Kiezblocks unterstützen
  • Auto-Stellplätze reduzieren wo sie Radverkehr und Sicherheit behindern
  • Flächen entsiegeln und begrünen
  • Fahrverbot für fossile Verbrenner bis 2035 prüfen
  • privaten Autoverkehr an Hitztagen ausschließen

„Senat und Bezirke fördern stadtweit lebendige Kieze durch Verkehrsberuhigung. Die Verwaltung greift Bürger:inneninitiativen für Kiezblocks auf und hält Kfz-Durchgangsverkehr mit wirksamen Mitteln aus den Kiezen heraus.“ (Kapitel 1.1)

6. Jugendverkehrsschulen erhalten und ausbauen

Fahrradfahren muss gelernt werden. Jugendverkehrsschulen sind unersetzlich.

Forderungen im einzelnen:

  • Jugendverkehrsschulen langfristig finanzieren, keine Kürzungen
  • Polizei unterstützt mit ausreichend Personal
  • zweite Stufe für Radfahrausbildung in der 7. Klasse einführen
  • Mobilitätsbildung fächerübergreifend in den Schulunterricht integrieren
  • Fachtage für Lehrende: Handreichungen für Mobilitätsbildung nutzen
  • Mobilitätsfonds für Kinder- und Jugendeinrichtungen
  • Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungsträgern verstärken
  • Fahrrad-Professur und Master-Studiengang „Urbane Verkehrswende“ an der TU Berlin

„Senat und Bezirke fördern Jugendverkehrsschulen und andere Initiativen zur Erlernung des Fahrradfahrens. Es wird eine zweite Stufe der schulischen Radfahrausbildung eingeführt. Hierfür bietet sich die 7. Klasse an.“ (Kapitel 5.2)

7. Fahrradabstellanlagen an Schulen und Kitas 

Wenn es keine sicheren Abstellmöglichkeiten gibt, bleibt das Fahrrad öfter als nötig zu Hause stehen. 

Forderungen im einzelnen:

  • Fahrradabstellplätze zur Auflage an Schulen machen
  • ausreichend Platz für Lastenränder und Anhänger
  • Fahrradbügel im Wohnumfeld einrichten
  • Förderfonds für Lastenräder an Kitas einrichten
  • kostenlosen Fahrradverleih verstetigen
  • Schrotträder entfernen

„Die Bezirke machen in Abstimmung mit dem Senat Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zur Auflage an Schulen und schaffen damit Anreize, den Weg zur Schule und Kita mit dem Fahrrad zurückzulegen.“ (Kapitel 4.3)

Du willst mehr zu weiteren, übergreifenden Forderungen aus dem “#NeustartFürsRad – Das Fahrrad als Schlüssel für eine gute Stadt für alle” erfahren?

Schau direkt rein: Bei #NeustartFürsRad gibt es noch viel Spannendes zur Finanzierung des Radverkehrs, zum Ausschöpfen von Bundesmitteln, zur Projekteinheit für den Radverkehr in der Senatsverwaltung, zur finanziellen Absicherung der InfraVelo GmbH, zu Pop-up-Verfahren als Standard für schnelle Maßnahmen, zur Stärkung der Unfallkommission, zum Aufstocken der Fahrradstaffel der Polizei, zur Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr und zahlreichen weiteren Themen, die natürlich alle den Radverkehr und das Fahrradfahren betreffen.

Was kannst du selbst tun?

  • Forderungen teilen, in einer Nachbarschaft, deiner Schule, deiner Kita
  • Bei der Kidical Mass mitmachen
  • Petitionen initieren oder unterzeichnen, für sichere Schulwege in deinem Bezirk
  • Kandidat:innen und Verkehrspolitiker:innen fragen: Was tut ihr für einen kinderfreundlichen Radverkehr?
  • Dich vor deiner Schule für Verkehrsberuhigung und eine Schulstraße einsetzen

Und natürlich: Mitglied im ADFC werden! Wir freuen uns auf dich.

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