
Schulstraßen in Marzahn-Hellersdorf
An vielen Grundschulen ist es mittlerweile leider üblich, dass die Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht werden. Das sorgt insbesondere morgens für viel Verkehr in das Schulumfeld, der für alle Kinder zusätzliche Gefahren mit sich bringt.
An der Mahlsdorfer Grundschule (Feldrain 47) reichte es den Eltern. Anfang 2026 starteten einige von ihnen das Pilotprojekt „Schulwegzone“. In der Zeit von 7 bis 8.30 Uhr sperrten sie die Zufahrt zur Schule an der Kreuzung Am Rosenhag/Feldrain, nur Anwohnende konnten sie in dieser Zeit passieren. Damit wollen die Eltern mehr Schulwegsicherheit gewährleisten, vor allen Dingen für die Schüler:innen, die mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule kommen.
Das Pilotprojekt wurde von Studierenden begleitet, unter anderem ist das Ergebnis des Projekts in eine Bachelorarbeit an der Hochschule für Technik eingeflossen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Schulstraßen grundsätzlich geeignet sind, die Schulwegsicherheit zu verbessern.
Mit dem Rad zur Schule
In der Straßenverkehrsordnung sind Schulstraßen bislang nicht vorgesehen. Als verkehrspolitische Maßnahme sind sie noch relativ neu. Schulstraßen oder Schulzonen heißt, dass man die Straße für eine festgelegte Zeit bestimmten Verkehrsteilnehmer:innen zuweist, in diesem Fall denen, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Unterricht kommen. Die Durchfahrt für Rettungs- oder Versorgungsfahrzeuge oder Anwohnende sind aber immer noch möglich.
Mittlerweile gibt es in verschiedenen Bundesländern bereits unterschiedliche Erlasse, die die Einrichtung von Schulstraßen regeln, etwa in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen. „Da sind inzwischen fundierte rechtliche Lösungen erarbeitet worden, und da muss man einfach nur ein bisschen Mut haben, mal was Neues zu machen“, sagt der Rechtsanwalt Olaf Dilling, Autor des ersten Leitfadens für Schulstraßen in der Folge 35 des Podcasts Radwissen.
In Berlin fehlt der Mut
In Berlin scheint dieser Mut noch zu fehlen. Nach einem Bericht des Tagesspiegels sagte Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic in der BVV, dass die dauerhafte Einführung einer Schulstraße nach aktueller Straßenverkehrsordnung nicht umsetzbar sei. Stattdessen schlug sie bauliche Maßnahmen vor, wie die Verbreiterung des Gehwegs vor der Schule, um das Halten von Elterntaxis zu erschweren.
Jedoch gibt es auch aus Berlin Beispiele, die die letzten Meter des Schulwegs sichern, selbst in Marzahn-Hellersdorf. So verhindern Poller in der Eilenburger Straße, dass tagsüber Autos in die Straße einfahren. Dort parkende Fahrzeuge können die Straße nur in einer Richtung verlassen. An der Eilenburger Straße liegen die Bücherwurm-Grundschule am Weiher und die Schule am Mummelsoll. In Mitte ist die Singerstraße wischen Lichtenberger Straße und Ifflandstraße seit April 2025 komplett für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Ziel an beiden Stellen: Mehr Sicherheit auf dem Schulweg und weniger Autoverkehr für Kinder und Jugendliche.
Schulstraßen sind jetzt schon möglich
Nach Meinung der ADFC-Stadtteilgruppe Wuhletal ist die Einrichtung einer Schulstraße durchaus jetzt schon möglich. Die Straßenverkehrsordnung lässt aus Gründen der Verkehrssicherheit Beschränkungen und Verkehrsversuche durchaus zu. Und das Berliner Straßengesetz macht es möglich, dass die zuständige Behörde bestimmte Verkehrsarten aus überwiegenden Gründen des öffentlichen Wohls auf Dauer ausschließen kann. Damit könnte sie Abschnitte für den Fuß- und Radverkehr öffnen, aber gewöhnlichen Kfz-Durchgangsverkehr ausschließen.
Auch an der Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf wollen Eltern gerade versuchen, mit einer Petition die Waplitzer Straße zu einer Spielstraße/verkehrsberuhigten Zone zu machen. Diese Nebenstraßen müssen die Schulkinder immer wieder überqueren, um die verschiedenen Gebäude der Schule erreichen zu können. Hier an der Schule das die ADFC-Stadtteilgruppe bei einer Aktion schon mal gezeigt, wie das Schulleben mit bei einer Sperrung der Straße für den Durchgangsverkehr aussehen könnte. Leider hat die Politik auf das berechtigte Anliegen der Schüler:innen und ihrer Eltern bislang immer noch nicht reagiert.
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