Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Berlin e. V.

Radfahrende auf der Frankfurter Allee

Die Sternfahrt unterwegs in Friedrichshain © ADFC Berlin/Annegret Krüger

Wahlprüfsteine Friedrichshain-Kreuzberg 2026

Am 20. September 2026 wird neben der Berlin-Wahl auch in Friedrichshain-Kreuzberg die BVV neu gewählt. Viele verkehrspolitische Themen entscheiden sich im Bezirk. Wir haben bei den Parteien nachgehakt, wofür sie stehen.

Mit Fragen zu zehn zentralen Themen für Radfahrer:innen in Friedrichshain-Kreuzberg haben wir die demokratischen Parteien zu ihren Positionen befragt. Leider haben lediglich zwei Parteien, Bündnis 90/Die Grünen sowie DIE LINKE geantwortet. 

Welche Vorschläge haben die Parteien für Straßen mit Kopfsteinpflaster, für Verkehrsknoten wie das Frankfurter Tor, wie stehen die Parteien zur nächtlichen Schließung des Görlitzer Parks? 

Die Antworten finden sich in der folgenden Tabelle:

 

Frage des ADFC Friedrichshain-KreuzbergAntwort Bündnis 90/Die GrünenAntwort DIE LINKE.
1. Sind Sie dafür, an der
Warschauer Straße einen
Fahrstreifen für den
Radverkehr umzuwidmen
(ggf. in welchem
Abschnitt), oder welche
Vorschläge haben Sie
sonst zur Verbesserung
der Radverkehrssituation
dort?
Die 2016 angelegten Radwege im nördlichen Teil der Warschauer Straße
haben die Situation deutlich verbessert, entsprechen aber nicht den
heutigen Anforderungen durch das Mobilitätsgesetz. Es ist geplant, auf der
Warschauer Straße Radwege nach den Vorgaben des Mobilitätsgesetzes zu
errichten. Diese werden breit genug zum Überholen und physisch
geschützt sein. Dies wird nur möglich sein, indem ein Kfz-Fahrstreifen
entfällt. Die Liefer- und Ladezonen sollen erhalten bleiben. Insbesondere
für den Bereich Warschauer Brücke bis zur Oberbaumbrücke besteht
dringender Handlungsbedarf, um den Straßenraum zugunsten der
Sicherheit des Fuß- und Radverkehrs neu zu ordnen
Die Linke Friedrichshain-Kreuzberg ist für einen
breiteren Fahrstreifen für den Radverkehr auf der
Warschauer Straße. Mit Blick auf den beschränkten
Raum sollte im Rahmen einer Bürgerbeteiligung
erörtert werden, ob der Radfahrstreifen auf Kosten
der Parkplätze anstelle der Verengung auf nur eine
Spur für den Autoverkehr realisiert werden sollte.
2. Sind Sie dafür, am
Bersarinplatz einen
Fahrstreifen für den
Radverkehr umzuwidmen
oder welche Vorschläge
haben Sie sonst zur
Verbesserung der
Radverkehrssituation
dort?
Wir setzen uns dafür ein, die Kreuzung am Bersarinplatz deutlich
fahrradfreundlicher und sicherer zu gestalten. Der bereits begonnene
Umbau der Petersburger Straße ist dabei ein wichtiger Schritt.
Entscheidend ist nun aber, den bislang noch unzureichenden Anschluss
über den Bersarinplatz bis zum Frankfurter Tor konsequent weiterzuplanen
und umzusetzen. Dazu gehört insbesondere, den Lückenschluss für den
Radverkehr herzustellen und die Anbindung der Fahrradstraßen Rigaer
Straße und Weidenweg deutlich zu verbessern. Die Fahrradstraße in der
Rigaer Straße wird durch eine Einbahnstraßenregelung und weitere
Maßnahmen schon dieses Jahr für Radfahrer*innen sicherer gemacht. Klar
ist für uns: Am Bersarinplatz braucht der Radverkehr mehr sichere und
komfortable Flächen sowie eine übersichtlichere Verkehrsführung.
Die Situation für den Radverkehr am Bersarinplatz
ist höchstproblematisch, weshalb der Platz
grundlegend planerisch umgestaltet werden, um
die zerstückelte Fahrradstraße voll zur Geltung zu
bringen und die Gefährdung nicht für die
Radfahrenden, sondern auch für Fußgänger*innen
deutlich zu reduzieren. Der Übergang vom Pop-Up-
Radweg Richtung Süden auf den alten Fahrradweg
neben dem Fußgängerweg und die enge Führung
in der Kurve sind aus unserer Sicht so gefährlich,
dass eine Umwidmung einer Spur auf der Straße
notwendig ist, bis eine angemessene bauliche
Umgestaltung des Platzes umgesetzt werden kann.
3. Was schlagen Sie vor,
um die hohe Zahl an
Fahrradunfällen am
Frankfurter Tor zu
reduzieren?
Das Frankfurter Tor ist Berlins gefährlichste Kreuzung. Daher sehen wir hier
dringenden Handlungsbedarf, um alle Verkehrsteilnehmenden,
insbesondere Radfahrer*innen und Fußgänger*innen als besonders
"vulnerable" Verkehrsteilnehmer*innen zu schützen. Als Partei setzen wir
uns für einen Umbau der Kreuzung im Sinne der Vision Zero ein. Die
jüngsten Umbauten des Senats reichen aus unserer Sicht nicht aus –
insbesondere für den Radverkehr haben sich damit keine Verbesserungen
ergeben. Wir setzen uns für ein neues Verkehrskonzept mit baulich
getrennten und sicheren Radfahrstreifen, übersichtlicheren
Verkehrsführungen und sicheren Querungen ein. Ein erster Schritt wäre die
Einführung von Tempo 30 auf der Frankfurter Allee – dafür kämpfen wir
schon Jahren auf Landesebene. Darüber hinaus braucht es auf der
Frankfurter Allee, der Karl-Marx-Allee und am Frankfurter Tor mehr
Geschwindigkeitskontrollen.
Das Frankfurter Tor ist seit Jahrzehnten ein
Unfallschwerpunkt und führte regelmäßig die Liste
der Unfallkreuzungen an. Es wurden bereits erste
bauliche Änderungen vorgenommen wie die
separate Rechtsabbiegespur in der Warschauer
Straße. Die in den letzten Jahren erfolgten
Maßnahmen zur Steuerung des
Linksabbiegeverkehrs waren nicht ausreichend.
Wir haben deshalb in der BVV die Entscheidung
der SenMVKU unterstützt, das Linksabbiegen
Richtung stadteinwärts zu untersagen.
4. Was schlagen Sie vor,
um den Radverkehr am
Kottbusser Tor zu
stärken?
Am Kottbusser Tor kam es bereits mehrfach zu tödlichen Unfällen. Auch
hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf. Zwar wurden bereits
Umbauarbeiten vorgenommen, Ampeln umprogrammiert und Furten rot
markiert, allerdings reicht das noch nicht aus, um die Kreuzung
ausreichend sicher zu gestalten. Insbesondere die Abbiegesituation des
Radverkehrs muss weiter verbessert werden. Als Ort vielfältiger
Problemlagen und Herausforderungen sollte der Kotti zudem ganzheitlich
betrachtet werden. Lösungen, wie etwa für die Erhöhung der
Verkehrssicherheit, können und sollen im Rahmen eines Gesamtkonzept
mit anderen Faktoren zusamm angedacht werden. So gehört für uns auch
die Steigerung der Aufenthaltsqualität, ein ökologischer Umbau,
Begrünung, Verstärkung von Beleuchtung, Reinigung, Ordnung und
aufsuchende Sozialarbeit zum Gesamtkonzept, auch um die allgemeine
Sicherheit zu erhöhen. Nach unserer Vorstellung sollte das Nadelöhr
Kottbusser Tor entschärft und die Skalitzer Straße ebenfalls eine
zeitgemäße Radinfrastruktur erhalten. So kann im Rahmen der Popup-
Radwege und deren Verstetigung eine gut ausgebaute Radstrecke vom
Kulturforum am Potsdamer Platz bis an den Mauerpark entstehen.
Wir unterstützen weitere Verbesserungen für den
Radverkehr und drängen auf die vom Senat
durchzuführende Umgestaltung der gesamten
Kreuzungssituation, der Verkehrsführung und der
Mittelinsel. Dabei muss eine eigene Fahrspur für
den Radverkehr mit einer baulichen Trennung
(protected bike lane) entsprechend des
Mobilitätsgesetzes umgesetzt werden. Bei Bedarf
sind anschließend weitere Verbesserungen zu
prüfen.
5. Sind Sie für mehr
Fahrradstraßen im Bezirk
und dafür, in den
bestehenden
Fahrradstraßen den
Autoverkehr deutlich zu
reduzieren, z.B. durch
Einbahnstraßen, Filter
oder Beschränkung der
Zufahrt auf Anwohnende
(statt Anlieger)?
Ja, denn Fahrradstraßen haben für den Radverkehr eine große Bedeutung.
Wir befürworten und unterstützen die Einrichtung weitere Fahrradstraßen.
Wichtig ist: Fahrradstraßen müssen nicht nur als solche beschildert
werden, sondern auch entsprechend baulich oder verkehrsplanerisch
gestaltet werden. Daher setzen wir weiterhin auf modale Filter wie den
versenkbaren Poller in der Körtestraße oder gegenläufige Einbahnstraßen,
wie im Weidenweg oder zukünftig in der Rigaer Straße. Mit der
Entsiegelung und Begrünung von Parkplätzen wollen wir einen Beitrag für
eine klimaresiliente, lebenswerte Stadt leisten. Fahrradstraßen bieten sich
für solche Maßnahmen besonders an, da der Autoverkehr dort
grundsätzlich nur zu Gast sein soll. In Fahrradstraßen, wo die Zulassung
von motorisiertem Anwohner*innen- bzw. Anliegerverkehr notwendig ist,
kann durch eine deutliche Reduzierung der Parkplätze der motorisierte
Verkehr weiter reduziert und dadurch sowohl die Verkehrssicherheit als
auch die Aufenthaltsqualität verbessert werden.
Die Linke Friedrichshain-Kreuzberg setzt sich für
mehr Fahrradstraßen im Bezirk ein.
Einbahnstraßen scheinen momentan das
geeignetste Mittel zu sein, damit in Fahrradstraßen
wirklich ein Vorrang für den Radverkehr entsteht
und die Attraktivität des Radverkehrs gesteigert
wird. Poller können ergänzend notwendig sein, um
die Einbahnstraßenregelung durchzusetzen.
6. Sind Sie dafür, im
Bezirk an deutlich mehr
Straßen das Tempo von
50 auf 30 km/h zu
reduzieren, insbesondere
wo kein gesonderter
Radweg besteht?
Nicht beantwortet.Wir wollen Tempo 30 konsequent auf alle Straßen
im Bezirk ausweiten. Wir schauen nicht nur auf die
Straßen in Zuständigkeit des Bezirks, sondern
setzen uns immer wieder in Einzelfällen und
grundsätzlich gegenüber dem Senat dafür ein.
7. Unterstützen Sie das
Abschleifen von
Kopfsteinpflaster (wie
z.B. in der Corinthstraße)
und/oderggf. das
(partielle) Asphaltieren,
und welche Straßen
würden Sie priorisieren?
Ja, wobei im Einzelfall geprüft werden muss, welche Maßnahme sinnvoll ist.
Das Abschleifen von Kopfsteinpflaster hat den Vorteil, dass die Fläche, im
Gegensatz zur Asphaltierung, nicht vollständig versiegelt wird. Sind
Kopfsteinpflasterstraßen aber sehr uneben, so
ergibt das Abschleifen keine ausreichende Verbesserung für
Radfahrer*innen. Oberste Priorität hat für uns der Umbau der
Gärtnerstraße, die mit der Mainzer Straße und der Modersohnstraße eine
Fahrradstraße als Nord-Süd-Verbindung durch den Boxhagener Kiez werden
soll. Weiter Planungen gibt es etwa für die Bergmannstr./Marheinekeplatz,
Reichenberger Str., Paul Lincke-Ufer und die Scharnweberstraße.
Wir unterstützen die Teilasphaltierung für Fahrrad-
Fahrstreifen, allerdings nicht für den Autoverkehr.
Das Abschleifen stellt eine nicht nur ökologisch und
für die Teilentsiegelung zu bevorzugende
Möglichkeit da, die aber im Einzelfall auf ihre
Umsetzbarkeit geprüft und auch finanziert werden
muss. Priorität bei der Umsetzung müssen für uns
Straßen mit hoher Netzwirkung haben und
Straßen, in denen das Kopfsteinpflaster zu großen
Beeinträchtigungen durch Fahrradfahrende auf
Gehwegen oder Grünflächen führt, wie in der
Reichenbergerstraße, in der Samariterstraße oder
am Paul-Linke-Ufer.
8. Setzen Sie sich für die
Radschnellverbindung
Ost-West (RSV 9) ein?
Ja, wir setzen uns klar für die Radschnellverbindung Ost-West (RSV 9) ein.
Solche schnellen, sicheren und attraktiven Verbindungen sind ein wichtiger
Baustein, um mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen und
den Verkehr in Berlin klimafreundlicher zu gestalten. Dass der Senat die
Umsetzung der Radschnellverbindungen derzeit ausgebremst
beziehungsweise ausgesetzt hat, halten wir für einen großen Fehler.
Gerade auf stark genutzten Strecken braucht es sichere und
leistungsfähige
Radverkehrsverbindungen, die auch Pendler*innen eine echte Alternative
zum Auto bieten. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass nicht nur die
Planungen sondern auch die daran anschließende Umsetzung für die RSV 9
zügig weitergeführt werden
Ja, wir unterstützen die RSV 9 und sehen die
Teilstrecken in unserem Bezirk schon auf einem
guten Weg. Die Lücken rund ums Frankfurter Tor
und in der Eldenaer Straße sollten schnell
geschlossen werden. Die Entwurfsplanungen auf
Senatsebene für die Gesamtstrecke über 23 km
müssen zeitnah abgeschlossen und eine
Planfeststellung angegangen werden.
9. Sind Sie für ein –
nachrangiges –
Durchfahrtsrecht in Parks
und Grünanlagen für den
Radverkehr auf
Hauptwegen, und wenn
ja, setzen Sie sich gegen
den Trend ein, dass
dieses zunehmend im
Bezirk verwehrt wird (z.B.
Elise-Tilse-Park,
Böcklerpark, Carl-Herz-
Ufer)?
Wir befürworten ein nachrangiges Durchfahrtsrecht für den Radverkehr auf
Hauptwegen in Parks und Grünanlagen dort, wo dies räumlich möglich und
mit der Sicherheit aller vereinbar ist. Dabei ist für uns klar: In Parks haben
Fußgänger*innen Vorrang, und Radfahrer*innen müssen besondere
Rücksicht nehmen. Leider zeigt die Realität, dass es in den vergangenen
Jahren zunehmend zu Konflikten zwischen Fußgänger*innen und
Radfahrer*innen gekommen ist. Dazu trägt auch bei, dass sich nicht alle
Radfahrer*innen an angemessene Geschwindigkeiten und rücksichtsvolles
Verhalten halten. Deshalb müssen Lösungen immer die konkrete Situation
vor Ort berücksichtigen. Gleichzeitig wollen wir attraktive und sichere
Alternativrouten für den Radverkehr schaffen, um Konflikte in engen
Grünanlagen zu reduzieren. Am Carl-Herz-Ufer ist beispielsweise die
Einrichtung einer Fahrradstraße geplant. Unser Ziel ist eine gute Balance
zwischen Aufenthaltsqualität in den Parks und einem funktionierenden
Radverkehrsnetz im Bezirk.
Wir sind grundsätzlich für ein Durchfahrtsrecht für
Radverkehr in Parks und Grünanlagen, geben aber
im Zweifelsfall der Sicherheit des Fußverkehrs den
Vorrang. Dem Trend zur Einschränkung begegnen
wir skeptisch und halten eine transparente
Entscheidungsfindung zusammen mit der BVV für
angezeigt: Im Elise-Tilse-Park ist die besondere
Bedeutung für die Erschließung des Anhalter Stegs
über den Kanal für den Radverkehr zu beachten.
Grundsätzlich halten wir ein Durchfahrtsrecht auf
der südlichen Seite des Land-Wehrkanals für
vertretbar, und setzen uns für eine klare Regelung
ein, bei der nicht widersprüchliche Schilder und
Fahrbahnmarkierungen für unnötige Konflikte
sorgen.
10. Sind Sie für eine
Beendigung der
Einzäunung und
Nachtsperrung des
Görlitzer Parks?
Wir lehnen die dauerhafte Einzäunung und Nachtsperrung des Görlitzer
Parks weiterhin klar ab. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die damit
verbundenen Probleme nicht gelöst, sondern vor allem in die umliegenden Kieze verdrängt werden. Genau das haben viele Anwohner*innen in den
ersten Monaten nach Einführung der nächtlichen Schließung berichtet.
Zudem wird durch die Sperrung eine wichtige direkte Wegeverbindung
zwischen Wrangelkiez und Reichenberger Kiez unterbrochen. Der Görlitzer
Park ist nicht nur eine Grünanlage, sondern auch ein zentraler
Durchgangsraum für den Fuß- und Radverkehr. Auch die geplante
Verlängerung der Tram-Linie M10 widerspricht der nächtlichen Schließung.
Für uns ist klar: Sicherheit im und um den Görlitzer Park erreicht man nicht
durch Abschottung, sondern durch soziale Prävention, eine bessere Pflege
und Beleuchtung des Parks, ausreichend Personal vor Ort sowie eine
langfristig wirksame Drogen- und Gesundheitspolitik.
Der Görli bleibt auf. Wir haben die Klage des
Bezirks gegen die Schließung durch den Senat
unterstützt und werden uns weiterhin dafür engagieren. Die erfolgreiche Klage der
Anwohner:innen macht zwar politisch Mut, aber
letztlich ist zu erwarten, dass der Senat auf der
neuen gesetzlichen Grundlage wieder zur
Schließung übergehen will. Das wollen wir
verhindern.
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