Der entscheidende Politiker – zum Tod von Jens-Holger Kirchner

Mit großem Bedauern haben wir vom Tod von Jens-Holger Kirchner erfahren. Der einstige Berliner Staatssekretär für Verkehr wurde 64. Er setzte sich mit großer Leidenschaft für eine fahrradfreundliche Stadt und für das Mobilitätsgesetz ein.

Jens-Holger Kirchner, ehemaliger Bezirksstadtrat von Pankow und Verkehrsstaatssekretär. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, CC BY-SA 2.0, cropped version of https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53257885

Wir haben Jens-Holger Kirchner als engagierten, zugewandten und hartnäckigen Menschen erlebt, der als Politiker immer im Kontakt zu Initiativen, Stadtteilgruppen und Engagierten stand. Seine großen Themen waren die Stadtentwicklung, die Verkehrspolitik und die Frage, wie ein lebenswerter Bezirk, wie eine lebenswerte Stadt aussehen könnte. Dazu gehörten für ihn definitiv mehr Radwege, aber auch jede Menge Kinderspielplätze, für die er sich immer wieder einsetzte.

Für die Grünen war er von 2006 bis 2016 Stadtrat in Pankow. Anschließend wurde er Staatssekretär für die Verkehrssenatorin Günther, wobei er maßgeblich an der Entstehung des Mobilitätsgesetzes beteiligt war. 2018 erkrankte er an Krebs, wurde in den Ruhestand versetzt, kehrte dann aber in die Senatskanzlei zurück. Mitte Januar 2024 verstarb er.

Seine Freunde nannten ihn Nilson, in Anlehnung an das Kinderbuch Nils Holgersson, das er sehr mochte.


 

 „Mit seinen drei Politiker-Grundregeln: ‚Du darfst in Berlin keinen Hund schlagen, keinen Baum fällen und keinen Parkplatz wegnehmen‘ hat Nilson in Beteiligungsprozessen den Spagat bei scheinbar gegensätzlichen Positionen zum Ergebnis geführt. Als gestandener Bezirkspolitiker hat er sich in der Kastanienallee den Widersprüchen und Anfeindungen der Öffentlichkeit ausgesetzt und diese Öffentlichkeit durch seine Glaubwürdigkeit schließlich zum Straßenumbau mitgenommen.

Er wäre der perfekte grüne Verkehrssenator gewesen, war trotz Rücksetzung auf den Platz Zwei dahinter die treibende Kraft grüner Verkehrspolitik. Beim Aufbau der infraVelo und für die Entstehung des Fahrrad-Anteil im Mobilitätsgesetz war er der entscheidende Politiker.

Während er für uns die grüne Politik auf die Straße brachte, eroberte ihn der Krebs von innen, den er viel zu spät bemerkte. Im Kampf für seine Gesundheit verlor er den geliebten Job, und wir verloren Nilson als Verkehrspolitiker. Nilson hat nicht mehr zurück in die Politik kehren können. Vor wenigen Tagen hat er das Leben ganz verloren – und wir haben Nilson ganz verloren, schmerzlich, endgültig."

Henning Voget, Mitglied im ADFC Berlin Landesvorstand

 


 

„Herrn Kirchner habe ich bei den Gesprächen und Verhandlungen zum Mobilitätsgesetz intensiv kennengelernt und war vom ersten Moment an beeindruckt. Ich habe Herrn Kirchner als Fachpolitiker mit Managementerfahrung erlebt, der gleichzeitig authentisch und zugewandt sein konnte. Ein Politiker, der seinen Job liebte und mit ganzem Herzen ausfüllte.

Herr Kirchner hatte ein klares Bild von seiner Rolle als Politiker und konnte Menschen den Glauben an die Politik zurückgeben. Ich werde nie die Abschlussfeier zu den Gesprächen zum Mobilitätsgesetz vergessen. Herr Kirchner hatte diese für einen großen Kreis von Beteiligten persönlich ausgerichtet und zusammen mit seiner Frau viel 'Wärme' und Empathie ausgestrahlt.

Frank Masurat, ehemaliger Landesvorsitzender ADFC Berlin

 


 

„Jens-Holger Kirchner war ein besonderer Mensch und Politiker, der sich mit hoher Sachkenntnis und mit viel Engagement für das Fahrrad in Berlin eingesetzt hat. Sein Einsatz und seine Moderation hat die Verhandlungen um das Mobilitätsgesetz um die entscheidenden Schritte voran gebracht. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.“

Evan Vosberg, Mitglied im ADFC Berlin Landesvorstand

 


 

Jens-Holger Kirchner war in all seinem Wirken stets den Menschen zugewandt. Wir lernen ihn als passionierten Radfahrer kennen, der in seinen verschiedenen Positionen immer die Belange aller Verkehrsteilnehmder im Blick hatte - mit klarem Fokus auf den Umweltverbund.

SuSanne Grittner, Mitglied im ADFC Berlin Landesvorstand


https://berlin.adfc.de/neuigkeit/der-entscheidende-politiker-zum-tod-von-jens-holger-kirchner

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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