Bauvorhaben Bahnhof Wilhelmsruh © Gerhard Freese

Zweite bezirksübergreifende Kiezradtour

 

Am Sonntag, den 09.10.22 hatten wir zur 2. gemeinsamen bezirksübergreifenden Kiezradtour ADFC- Aktive eingeladen!

Start: 10:00h Rathaus Reinickendorf! Wir radelten zum Rathaus Pankow, begrüßten die ADFC Stadtteilgruppe (STG) Pankow am Rathaus Pankow

 

Die ca. 30 km lange Tour führte sowohl an Hauptverkehrsstraßen entlang, als auch durch Grünanlagen. Es gab mehrere Stopps mit interessanten Infos zu aktuellen radfahrverkehrsrelevanten Themen als auch industriehistorischen Denkmälern wie bspw. zur Monopolfabrik in der Provinzstr. Hier beeindruckte besonders das Apparatehaus, in dem früher Alkohol destilliert wurde, mit seiner großartigen Architektur. Heute wird das Gebäudeensemble von kreativen Agenturen genutzt. Hier leben und arbeiten Künstler:innen.

Über die Pankower Allee gelangten wir zum Schäfersee. Der Name dieses Sees hängt mit der früheren Schafhaltung in diesem Gebiet zusammen und erinnert daran, dass hier vor der Industrialisierung Landwirtschaft betrieben wurde. Wir querten die Aroser Allee mit Blick auf die Weiße Stadt an der Aroser Allee. Dieses Ensemble aus den 1920er Jahren gilt als wegweisend für modernes Bauen und zählt heute zum UNESCO-Welterbe.

Von dort ging es zur Ecke Gotthardstr./ Teichstr. Immer wieder werden unübersichtliche Kreuzungsbereiche Radfahrenden zum Verhängnis. Die weltweite Aktion „Vision Zero“ mahnt mit der Aufstellung von weißen sog. Geisterrädern an den Unglücksstellen und setzt sich für mehr Sicherheit und Aufmerksamkeit von Verkehrsteilnehmenden ein, mit dem Ziel, keine Verkehrstoten mehr beklagen zu müssen!

Wir folgten der Teichstraße über uralte, beengte unzureichende Radverkehrsanlagen, passierten eine kurze gut sanierte Radwegestrecke bis zur Ecke Roedernallee/ Flottenstr., eine beengte unübersichtliche Kreuzung insbesondere für Radfahrende! Seitens des Bezirks und SenUMVK gibt es ein positives Signal zur Sanierung dieses Kreuzungsbereiches und der Roedernallee.

Die Tour führte uns weiter über die Flottenstraße zum S-Bhf Wilhelmsruh - ein Knotenpunkt bei der Wiederinbetriebnahme der Heidekrautbahn. Der Kreuzungsbereich unmittelbar vor und um den Bahnhof herum ist nicht nur für Fahrradfahrende kein highlight! Die Radwege zu eng, zu holprig, unübersichtlich und damit für alle Verkehrsteilnehmenden eine Herausforderung! Eine direkt am Bahnhofsgebäude angebrachte Planungsskizze informiert über die zukünftige Gestaltung des Bahnhofs und seiner Umgebung! 

Die Umbaumaßnahmen sollen in Kürze beginnen. Wir folgten den Wegen neben der bereits vorhandenen alten Schienenanlage, querten das Stadlergelände. Am Pankower Park wird ein neuer Bahnhof mit neuer Zuwegung entstehen. Die Route führte uns weiter über den Mauerweg entlang des Nordgrabens. An der Querung Wilhelmsruher Damm besteht die Herausforderung für die Verkehrsplanenden, die Verkehrsführung zukunftsorientiert, übersichtlich und sicher zu gestalten. Dies gilt auch für die den nächsten Kreuzungsbereich.

Quickborner Str./ Mauerweg/ Grünes Band Berlin. Eine neu geschaffene Verkehrsinsel auf der Quickbornerstr. löst bei allen Beteiligten Verwunderung aus. Für zu Fußgehende ist hier eine deutliche Verbesserung erreicht worden. Man gewinnt schnell den Eindruck, dass Radfahrende vergessen wurden. In Anbetracht der Situation, dass hier in Kürze der neue Bahnhof Rosenthal gebaut wird, eine Buslinie im 10-Min-Takt fährt, eine Straßenbahn sowie die neue Heidekrautbahn und der motorisierte Individualverkehr täglich diese Straße beanspruchen, lässt uns Radfahrenden nur hoffen, dass auch für uns sichere Radverkehrsanlagen mit sicheren Querungsmöglichkeiten geschaffen werden!!! ...

Nachdem wir uns hier intensiv mit der aktuellen Situation und Zukunftsplänen der modernen Verkehrsführungsmöglichkeiten vor Ort ausgetauscht haben, setzten wir unsere Tour fort. Wir verließen an der Lengender Str. den Mauerweg, fuhren bei herrlichen, sonnig warmen herbstlichen Temperaturen durch Alt Reinickendorf. Der Weg führte uns über wunderbare breite Wege durch den Kienhorstpark zur Ollenhauerstraße über schlechte, enge dringend sanierungsbedürftige Radwege mit hohem Gefährdungspotenzial. Den Weg durch die Grünanlagen des Karl-Bonhoeffer- Klinikgeländes, heute Justizkrankenhaus und MUV für Geflüchtete, konnten wir ganz entspannt genießen.

Der intensive Austausch zu aktuellen Themen und Verkehrsplanungsvorhaben beschleunigte das Bedürfnis einer Pause. In einem Gasthaus mit Außengastronomie haben wir im Sonnenschein das goldene Oktoberwetter genießen können.

Von da aus führte uns die Tour über einen der vielen grünen Radwege in Reinickendorf parallel zum fast leeren Nordgraben nach Tegel.

Die Berliner Str., eine Hauptverbindungsstraße, die sechsspurig durch das Zentrum Tegels führt, birgt in Teilbereichen wegen fehlender Radverkehrsanlagen ein hohes Sicherheitsrisiko für Radfahrende. Highlights auf diesem Streckenabschnitt, waren demzufolge nicht die Radwege, sondern bspw. die Borsighallen, jetzt u.a. ein großes Einkaufszentrum, früher Industriehallen zur Herstellung von Lokomotiven. Für einige neu und interessant zu erfahren, dass hier das erste Hochhaus Berlins steht. Von da aus führte uns der Weg über das große Borsig-Industriegelände zum Tegeler See bis zur Sechserbrücke durch den Humboldthafen mit neu erschlossenem Wohnareal.

Wir befuhren den Waidmannsluster Damm, die Wilhelm-Blume-Allee, querten die Ziekowstr und folgten dem Radweg entlang der alten Industriebahn durch den Steinbergpark.

Reinickendorf, der grüne Bezirk im Norden bietet Radfahrenden ein vielseitiges, abwechslungsreiches Radwegenetz mit enormen Optimierungspotenzial!!!

Weil die Worte in meinen Augen die Situation treffend beschreiben, zitiere ich hier einen unserer mitradelnden Gäste zum Schluss: “Es war eine sehr interessante, informative Tour. Mein Eindruck, in Reinickendorf hat der Alltagsradelnde bzw. Berufstätige, der schnell von A nach B will, pünktlich sein Ziel erreichen muss, das Nachsehen!“ ... und ich füge hinzu: “Aus diesem Grunde engagieren wir uns, damit alle, die mit dem Rad unterwegs sind, jederzeit sicher und gut ihr Ziel erreichen können!“

Bis zur nächsten Tour wünschen wir allen Fahrradfahrenden allzeit eine gute und sichere Fahrt!

Text: Maria-Anne Lamberti

 

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Kieztouren des ADFC Berlin

Kieztouren am 04. September 2022 - Berlin auf dem Rad neu entdecken!

Der ADFC Berlin lädt euch herzlich ein, Berliner Stadtteile mit dem Fahrrad (neu) zu entdecken. Die Kieztouren werden…

https://berlin.adfc.de/artikel/zweite-bezirksuebergreifende-kiezradtour

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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